Ansteckung über Fleisch?

Besteht die Gefahr, sich über Hähnchenbrustfilet, Schweinenackensteak, Frikadelle oder Würstchen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu infizieren?

Hunderte Mitarbeiter deutscher Schlachthöfe haben sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, nur einige der betroffenen Betriebe sind geschlossen worden. Was bedeutet das für Steaks und Würste, die auf unseren Tellern landen? Kann man sich über ein kontaminiertes Stück Fleisch mit Corona infizieren? Haben die Tiere das Virus auf den Menschen übertragen? Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) hält diesen Fall für bisher unwahrscheinlich. „Bislang gibt es weltweit keine Hinweise darauf, dass in Deutschland verwendete Nutztiere als Überträger des Coronavirus fungieren.“ Es können sich weder Schweine noch Hühner mit SARS-CoV-2 infizieren, so das FLI. Zu Rindern stehen die Tests noch aus. Doch auch hier gebe es bislang keine Hinweise, dass sich die Tiere mit dem Erreger anstecken könnten.

Nur durch Niesen und Husten

Grundsätzlich können Coronaviren nur durch direktes Niesen oder Husten einer infizierten Person auf Wurst oder Fleisch gelangen. Passiert das im Schlachtbetrieb, sind die Erreger bereits abgestorben, wenn die Waren in der Fleischtheke landen. Denn Coronaviren können sich in oder auf Lebensmitteln nicht vermehren, dafür benötigen sie einen lebenden tierischen oder menschlichen Wirt. Das Robert Koch-Institut (RKI) betont, dass es derzeit keine Hinweise darauf gibt, dass Covid-19 über Lebensmittel übertragen wird. Das größte Risiko bei der Krankheit und bei Lebensmitteln bestehe darin, dass man beim Einkaufen mit anderen Personen im Lebensmittelgeschäft zusammen ist, die das Virus beispielsweise in die Luft oder auch auf Gegenstände wie Einkaufswagen oder Körbe abgeben können. Das RKI dazu: „Bei Coronaviren, die Atemwegserkrankungen verursachen können, erfolgt die Übertragung primär über Sekrete des Respirationstraktes. Gelangen diese infektiösen Sekrete an die Hände, die dann beispielsweise das Gesicht berühren, ist es möglich, dass auch auf diese Weise eine Übertragung stattfindet.“

Kein Fall bekannt

Der französischen Lebensmittelsicherheitsbehörde Anses zufolge ist nach derzeitigem Kenntnisstand eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus über den Verdauungstrakt ohnehin nicht möglich. Eine Infektion der Atemwege beim Kauen kontaminierter Lebensmittel könne jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden. Bisher ist allerdings kein Fall bekannt, bei dem sich ein Mensch direkt über Lebensmittel mit Corona angesteckt hat: Nicht über den Verzehr und auch nicht über Oberflächenkontakt.

Bisher gibt es auch laut der Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organization) keine Hinweise darauf, dass Tierprodukte eine Rolle bei der weltweiten Verbreitung des Coronavirus spielen. „Fleisch von gesundem Vieh, das gründlich gekocht wird, bleibt ein sicheres Lebensmittel“, heißt es von der Organisation. Auch Fisch und Meeresfrüchte, die den nationalen und internationalen Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit entsprechen, stellen weiterhin kein Problem dar. Jederzeit, auch ohne das Coronavirus, sei es hingegen gefährlich, tierische Produkte zu verzehren, bei denen die Herkunft unbekannt ist oder Fleisch von Tieren zu essen, die aus unbekannten Gründen gestorben sind. Auch rohes Wildfleisch oder ungekochte Gerichte aus Wildtierbestandteilen sollten nicht verzehrt werden. Dabei können eine Menge Infektionen auftreten, die unabhängig vom Coronavirus gefährlich sein können.

Hygieneregeln schützen

In der Regel sind Fleisch und Fleischwaren jedoch durch einen Spritzschutz an der Theke vor Niesen und Husten durch Kunden geschützt, wodurch die Kontaminationsgefahr minimiert wird. Außerdem müssen Verkäufer wie Kunden mittlerweile bundesweit einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Um sich vor Virusübertragungen zu schützen, ist es grundsätzlich wichtig, die allgemeinen Regeln der Hygiene des Alltags, wie regelmäßiges Händewaschen und Fernhalten der Hände aus dem Gesicht, zu beachten.

Das Fleisch und Geflügel sollte generell auch zum Schutz vor möglichen anderen Krankheitserregern vor dem Verzehr ausreichend und gleichmäßig vollständig in Pfanne, Herd, Backofen oder Grill erhitzt werden. Denn die hier vorherrschenden Temperaturen von 70 bis 100 Grad machen eventuell anwesenden Viren und Bakterien den Garaus. Dabei sollte aber darauf geachtet werden, dass das Fleisch auch im Inneren ausreichend erhitzt wurde und zwar solange, bis der austretende Fleischsaft klar ist und das Fleisch eine entsprechende Farbe angenommen hat. Geflügel sollte weißlich sein, Schweinefleisch graurosafarben und Rind graubraun. Und wer noch sicherer gehen will, könnte sich auch mal wieder an ein paar vegetarischen Gerichten versuchen.