Palliativpflege

Die Palliativpflege begleitet Patienten, bei denen kaum oder keine Aussicht auf Heilung besteht. Neben der Pflege und der Linderung geht es auch um seelischen Beistand. „Palliativ“ stammt von dem lateinischen Wort pallium ab und bedeutet „mantelartiger Überwurf“. Palliativversorgung bedeutet somit, dass der Betroffene umhüllt und beschützt werden soll. Palliativpatienten leiden an unheilbaren, fortschreitenden (progredienten) Erkrankungen wie Krebs, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Demenz, AIDS, oder Parkinson. Eine heilende (kurative) Therapie ist nicht mehr möglich und die Lebenserwartung ist begrenzt. In der Palliativversorgung geht es aber nicht mehr darum, welche Krankheit ein Patient hat – der Blick richtet sich auf die Symptome und deren Linderung. In der Palliativversorgung geht es um die umfassende Betreuung von Menschen mit nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankungen bei einer zugleich begrenzten Lebenserwartung. Das oberste Ziel ist die Linderung ihrer Beschwerden und die Steigerung ihrer Lebensqualität.

Die Würde des Patienten

Die Würde des Patienten ist immer zu respektieren. Seine Selbstbestimmung und Autonomie sind zu achten und seine Bedürfnisse sollten im Vordergrund stehen. Die Bedürfnisse können körperlicher, psychischer, sozialer und spiritueller Natur sein, z.B. dass er seine letzten Angelegenheiten regeln kann, schmerzfrei ist, Angehörige und Freunde bei ihm sein können, dass er auch zu Hause sterben oder beten kann, wenn ihm danach ist. Die Betreuung des Patienten und seiner Angehörigen sollte immer individuell und multiprofessionell sein. Sie reicht über den Tod hinaus, bis in die Trauerphase. Wichtig ist der Vertrauensaufbau: Das erfordert einen offenen und ehrlichen Umgang aller Beteiligten miteinander. Insbesondere auch mit dem Thema Sterben und Tod. Der Patient soll sich sicher, geborgen und ernst genommen fühlen.

Ziel: ganzheitliche Linderung

Palliativpatienten leiden oft nicht nur körperlich. Sie leiden auch an psychischen, sozialen, seelischen und finanziellen Folgen ihrer Krankheit. Ziel der Palliativversorgung ist deshalb, neben den körperlichen Beschwerden einer unheilbaren Krankheit auch psychische Probleme (Angst, Trauer) und soziale Schwierigkeiten (Einsamkeit, Kommunikation, Einkommensverlust) zu lindern und die letzte Lebenszeit lebenswert zu machen. Deshalb müssen alle Helfer (z.B. Ärzte, Pflegende, Ehrenamtliche, Angehörige, Seelsorger oder Sozialarbeiter) und alle Einrichtungen (z.B. Krankenhäuser, Palliativstationen oder Pflegedienste) zusammenarbeiten.

Quälende Symptome können alles andere überdecken. Deshalb steht im Mittelpunkt der medizinischen Behandlung eines Palliativpatienten die Linderung von Beschwerden (Symptomkontrolle) wie Schmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Atemnot. Wenn die Lebensdauer begrenzt ist, können manche Symptome wirksamer bekämpft werden, weil man z.B. nicht mehr auf Spätfolgen von Medikamenten achten muss, deshalb werden zum Teil auch sehr starke Medikamente eingesetzt. Einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität leisten Pflegende, spezialisierte Therapeuten und Angehörige. Massagen und Mobilisierung, Entspannung und Kräftigung, Mund- und Körperpflege, Raumklima, Ernährung, Versorgung von Wunden, richtige Lagerung des Patienten, sind hier oft zentrale Themen. Einerseits geht es um die Erleichterung von Beschwerden, andererseits um das Wiedergewinnen von Normalität und Alltag.

Dauer und Kosten

Der Aufenthalt auf einer Palliativstation ist zeitlich begrenzt. Die durchschnittliche Verweildauer liegt bei zehn bis 14 Tagen. Deswegen ist es sinnvoll, sich schon vor der Aufnahme um eine Folgebetreuung zu kümmern. Hospize sind eine Sonderform zwischen der ambulanten Palliativpflege zu Hause und der Palliativpflege im Pflegeheim. Hospize sind für Sterbende die letzte Herberge. Alles, was Krankenhaus-Atmosphäre schafft, wird in einem Hospiz jedoch möglichst vermieden – bis auf die für den Sterbenden notwendige medizinische und pflegerische Ausstattung. In einem Hospiz arbeiten interdisziplinäre Teams, bestehend aus Pflegepersonal, Ärzten, Sozialarbeitern, Psychologen, Psycho- und Physiotherapeuten, freiwilligen Begleitern und Vertreter aller Glaubensrichtungen. Manche Hospize bieten auch die Möglichkeit, Patienten nur tagsüber zu versorgen. Im Hospiz können Menschen ihre ganze noch verbleibende Lebenszeit verbringen.
Seit 2007 hat in Deutschland per Gesetz jeder Todkranke das Recht, bis zum Tod palliativ versorgt zu werden. Deswegen übernimmt die Krankenkasse die palliative Versorgung durch den Hausarzt, Schmerztherapeuten oder Palliativmediziner. Auch die häusliche palliative Pflege wird von der Krankenkasse getragen.