Schmerzfreies Büro

Wir alle sitzen viel zu viel jeden Tag. Das lässt sich oftmals nur schwer ändern. Aber: Man kann den Büroarbeitsplatz anpassen. Allein in Deutschland verbringen rund 16,3 Millionen Menschen ihren Arbeitstag im Büro. Ein Fünftel der Bevölkerung sitzt täglich mehr als sechs Stunden vor dem Computer. Wenig Bewegung und eine schlechte Sitzhaltung gehören dabei zum Alltag. Vor allem der Rücken leidet unter den vielfach ungünstigen ergonomischen Bedingungen. Aktuellen Zahlen zufolge sind etwa zwei Drittel der Bundesbürger von Rückenschmerzen betroffen, dreißig Prozent von ihnen dauerhaft. Die Zahl der ständig Betroffenen hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre fast verdoppelt. Bei den Krankheitstagen verursachten Muskel- und Skeletterkrankungen auch die meisten Arbeitsausfälle.

Klare Fakten

Dass dauerhaftes Sitzen negative Auswirkungen auf uns hat, zeigte eine britische Langzeitstudie. Autor Frank Thömmes beruft sich auf dieses Studiendesign mit den mehr als 12.000 Teilnehmern, wenn er in seinem Buch provokant titelt: »Wer länger sitzt, ist früher tot.« Der Grund dafür findet sich im Studienfazit. Menschen mit täglich mehr als sechs Sitz-Stunden, besitzen eine um 20 Prozent niedrigere Lebenserwartung haben als diejenigen, die nur drei oder weniger Stunden pro Tag sitzen. Eine Prozentzahl, die durchaus aufhorchen lässt und welche die Frage aufwirft, was dagegen getan werden kann. Sport ist definitiv ein wichtiger Hebel, aber das alleine genügt noch nicht. Wesentlich wirkungsvoller ist es, bereits beim Sitzen einzugreifen. Der ergonomische Arbeitsplatz macht den Unterschied.

Dynamik und Bewegung sind wichtig

Wesentliches Problem der Büroarbeit ist die fehlende Bewegung. Bürostühle sollten das dynamische Sitzen fördern, welches die Durchblutung der Muskulatur sowie die Stoffwechselprozesse der Bandscheiben anregt. Dies wird auch durch einen veränderbaren Öffnungswinkel zwischen Sitzfläche und Rückenlehne möglich. Die Rückenlehne, deren Widerstand individuell eingestellt wird, kann durch Krafteinwirkung über den üblichen 90°-Winkel hinaus nach hinten bewegt werden. Außerdem ist es wichtig, dass sich Sitzfläche und Rückenlehne individuell einstellen lassen und dass der Lendenwirbelbereich großflächig abgestützt wird. Optimale Anpassungsfähigkeit bieten bereits einige mit dem AGR-Gütesiegel (Aktion Gesunder Rücken e.V.) ausgezeichneten Bürostühle.

Aktiv ist gesund

Eine Alternative zu klassischen Bürodrehstühlen bieten sogenannte Aktivsitzmöbel – diese gibt es nicht nur für das Büro, auch als ergonomische Sitzmöbel im heimischen Essbereich oder für Musiker sind sie perfekt geeignet. Deren Konzept: Durch Flexibilität in allen Achsen passt sich der Sitz dem Menschen an und nicht umgekehrt. So wird Bewegung gefördert und ebenfalls gefordert; dies sorgt für erhöhte Konzentration und Leistungsfähigkeit. Dass bei derartigen Sitzmöbeln die Lehne fehlt, mag nur im ersten Augenblick merkwürdig erscheinen. Bereits wer kurz zur Probe sitzt, wird feststellen, dass es die Wirbelsäule selbst ist, die nun die Haltearbeit der Lehne übernimmt. Durch das aktive Sitzen fungiert die Wirbelsäule mit ihren feinen Muskelfaserbündeln als natürliches Stützorgan – und dies viele Stunden vollkommen ermüdungsfrei.

Wie so oft gilt auch für den Büroalltag: Die richtige Mischung – in diesem Fall zwischen Sitzen, Stehen und Bewegen – ist entscheidend. Durch einen Haltungswechsel werden Rücken- und Beinmuskulatur trainiert, Herz und Kreislauf angeregt und die Atmung verbessert. Optimal sind deshalb neben individuell ein- und höhenverstellbaren Schreibtischen auch rückenfreundliche Stehpulte; auch hiervon gibt es im Handel zahlreiche Produkte. Schließlich wird der gesunde Arbeitsplatz durch ergonomische PC-Eingabegeräte wie Tastatur und Maus komplettiert. Aufgrund ihrer Beschaffenheit können diese Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich sowie Kribbeln in den Fingern verhindern und sie schonen außerdem das Hand-Arm-System.

Checkliste

Möchten Sie Ihren Stuhl richtig einstellen, achten Sie bitte zuerst darauf, dass die Sitzfläche in der Höhe richtig eingestellt ist. Dies ist dann der Fall, wenn Ober- und Unterschenkel einen 90°-Winkel bilden. Und zwischen Kniekehle und Vorderkante sollte noch zwei bis drei Finger breit Platz sein. Der Rücken schließlich sollte die Lehne berühren und im Lendenbereich großflächig abgestützt werden. Der Widerstand der Rückenlehne ist perfekt eingestellt, wenn eine angenehme dynamische Bewegung möglich ist. Die Unterarme sollen mit den Oberarmen maximal einen rechten Winkel bilden, wenn sie auf den Armlehnen liegen. Wenn Sie all dies beherzigen, sind wir sicher, dass Sie das Sitzen schon viel weniger belasten wird. Fragen Sie auch Ihren Arbeitgeber, ob es nicht möglich ist, ergonomische Möbel anzuschaffen. Letztlich profitiert auch er davon, denn es wird in der Folge zu weniger Fehltagen durch Krankheit kommen.