Was ist eine Demenz?

Schon wieder etwas vergessen? Nicht immer steckt eine Demenz wie Alzheimer dahinter. Dennoch sollten Sie erste Anzeichen trotzdem ernst nehmen.

Wenn Sie ab und zu Ihren Schlüssel verlegen, einen Termin vergessen oder Ihnen der Name eines Bekannten nicht einfällt, dann ist das kein Grund zur Beunruhigung. Denn es gibt eine ganz normale Vergesslichkeit, bei einigen Menschen mehr, bei anderen weniger stark. „Treten jedoch häufig und über längere Zeit Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, der Konzentration oder der Orientierung auf (man kann sich nicht mehr erinnern, einen bestimmten Termin überhaupt vereinbart zu haben, oder man findet sich in neuen Umgebungen wesentlich schlechter zurecht als früher), so ist dies ein Grund, einen Arzt aufzusuchen. Auch bei stärkeren Schwankungen der Stimmungslage und geistigen Fähigkeiten ist es gut, einen Arzt zu kontaktieren“, schreibt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft auf ihrer Website.

Warum vergesse ich?

Schwierigkeiten, sich an bestimmte Dinge zu erinnern, sind bis zu einem gewissen Grad normal. Solche Aussetzer sind an sich nicht besorgniserregend, zumindest solange sie nur ab und an auftreten. Das Gedächtnis besteht nicht aus Zement. Die Verknüpfungen zwischen einzelnen Gedächtnisinhalten ändern sich ständig, neues Wissen wird eingebaut, alte Informationen werden überarbeitet oder in den Hintergrund gedrängt. Allein wenn wir eine Erinnerung abrufen, lassen wir dadurch neue Verbindungen im Gehirn entstehen. „Wir erinnern uns im Grunde nie zweimal an genau dasselbe“, sagt Professor Hans Förstl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in München.

Die Vergesslichkeits-Symptome können ganz verschiedene Ursachen haben und stehen nicht unbedingt im Zusammenhang mit einer Demenz. Sie können beispielsweise durch Stress, Burn-out, seelische Belastungen, Depressionen oder auch eine Umstellung des Hormonhaushalts wie in den Wechseljahren hervorgerufen werden. Auch eine Unterfunktion der Schilddrüse, ein erhöhter Hirndruck, wie er im Alter auftreten kann, oder ein Tumor können dafür verantwortlich sein. Auch bestimmte Medikamente, die zum Beispiel gegen Schmerzen oder zur Senkung des Blutdrucks eingenommen werden, können Nebenwirkungen haben, die sich auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirken. Wer zu wenig getrunken hat oder mit einer Grippe im Bett liegt, hat manchmal auch Gedächtnisprobleme. plagen. Tritt das ab und an auf, muss man sich in der Regel keine Sorgen machen.

Was deutet auf eine Demenz hin?

Wann sollte man sich aber ernsthafte Sorgen machen? Bei gelegentlichen Aussetzern sicherlich noch nicht. „Sie sollten stutzig werden, wenn Gedächtnisstörungen zunehmen oder man sich Dinge nicht mehr merken kann, die einem früher keine Probleme bereitet haben“, sagt Förstl. Etwa wenn vertraute Arbeitsabläufe auf einmal Probleme bereiten. Dann ist eine Untersuchung beim Hausarzt auf jeden Fall sinnvoll. Der prüft mit Tests, ob Anzeichen für eine Demenzerkrankung vorliegen und überweist den Patienten gegebenenfalls weiter zum Facharzt. Allerdings entwickelt sich eine Demenz meist schleichend und wird im Frühstadium oft nicht bemerkt. Das macht die Krankheit tückisch. Eine pauschale Empfehlung, bis wann man sich keine Sorgen machen muss und ab wann man sich besser untersuchen lässt, gibt es nicht. Im Zweifelsfall ist Vorsicht meist die bessere Alternative. Je eher eine Demenz erkannt wird, desto besser kann sie auch behandelt werden. Erster Ansprechpartner dafür ist der Hausarzt.

Alzheimer und Demenz

Demenz ist der Oberbegriff. In Deutschland sind etwa 1,7 Millionen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen (Stand: 2018). Die meisten sind 85 Jahre und älter. Laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft nimmt die Anzahl der Demenzerkrankungen mit dem Lebensalter zu: Sind in der Altersgruppe von 70 bis 74 Jahre noch unter vier Prozent betroffen, so sind es bei den 80 bis 84-jährigen bereits mehr als 15 Prozent.

Neben einem eingeschränkten Kurzzeitgedächtnis deuten noch andere Symptome auf eine Demenz hin: Betroffenen fällt es oft schwer, zu planen und Probleme zu lösen oder Rechnungen zu verstehen. Demenzpatienten kämpfen mit gewohnten Verrichtungen. Kein Anzeichen für eine Demenz ist, wenn ältere Menschen zuerst einmal Schwierigkeiten haben, einen Computer oder ein Smartphone zu bedienen. Ein typisches Alzheimer-Symptom sind räumliche und zeitliche Orientierungsschwierigkeiten oder eine Uhr zu zeichnen. Wenn vertraute Gesichter nicht mehr erkannt oder räumliche Dimensionen nicht mehr erfasst werden, sind das Wahrnehmungsstörungen. Oder wenn die Brille im Kühlschrank landet, die Stimmung stark schwankt und sich die Persönlichkeit ändert, dann sind das ernste Warnsignale und ein Grund, eine umfassende Diagnostik vornehmen zu lassen.