Der ewige Heuschnupfen

Was tun, wenn die Augen brennen, jucken und tränen, die Nase läuft und das Niesen kein Ende nimmt? Was hilft gegen Heuschnupfen? Und zwar schnell?

Die Birken blühen bereits, Erlen, Eschen und Haseln sind vielerorts drauf und dran, aus ihrem Winterschlaf zu erwachen. Was vielen Naturliebhabern das Herz aufgehen lässt, ist für Allergiker ein alljährlich wiederkehrender Albtraum: Ihre Nase läuft permanent, die Augen tränen, unangenehmer Husten reizt die Bronchien. Und es trifft mehr Menschen, als man denkt. So leiden nach Erkenntnissen des Deutschen Allergie- und Asthmabunds (DAAB) etwa 16 Prozent der Deutschen unter Heuschnupfen, wie die Pollenallergie im Volksmund heißt.

Nach den blühenden Bäumen folgen bald die Gräser, inzwischen haben wir fast das ganze Jahr Pollensaison. Weil sich die Witterung durch den Klimawandel verändert, leiden immer mehr Allergiker stärker und länger. Denn die Zeiten, in denen die Nase tropft und die Augen tränen, beginnen immer früher. Experten rechnen damit, dass Pflanzen aus dem südlichen Vegetationsraum auch im wärmer werdenden Norden eine Heimat finden und die Allergiker plagen könnten. Ein Beispiel hierfür ist die beifußblättrige Ambrosia (Traubenkraut), deren Pollen nach Angaben der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft besonders stark allergieauslösend sind. Steigende Temperaturen könnten die Ausbreitung dieser Pflanze fördern, die in den 70er Jahren durch Saatgut aus den USA eingeschleppt wurde und deren Samen sich vermutlich über Vogelfutter verbreiten. In Frankreich und Italien sind Ambrosia-Allergien bereits zu einem massiven Problem geworden.

So hilft der Arzt

Das Grundprinzip lautet: Meiden Sie den Auslöser. Doch das ist oft einfacher gesagt als getan. Ein Allergologe sollte gerade in schweren Fällen hinzugezogen werden, bevor es zu allergischem Asthma oder anderen chronischen Erkrankungen kommt. Er entscheidet über Medikamente oder gar eine Immuntherapie bzw. Hypersensibilisierung. Dabei wird das Immunsystem über eine längere Zeit mit einer langsam steigenden Dosis an Allergieauslösern bombardiert und somit daran gewöhnt.

  • Die 4-Wochen-Therapie: Die Hyposensibilisierung, wie die Behandlung früher hieß, zielt darauf ab, das Immunsystem mit denjenigen Pollenbestandteilen vertraut zu machen, die die Allergiesymptome auslösen. Dazu spritzt einem der Arzt bei der Kurzzeittherapie einen verdünnten Pollenextrakt ein- bis zweimal wöchentlich in seiner Praxis unter die Haut. Insgesamt dauert diese „Aufdosierungsphase“ vier Wochen. Während des Pollenflugs ist Pause, anschließend wird für drei Jahre eine Spritze pro Monat fällig („Erhaltungsphase“).

  • Die 5-Tage-Therapie: Bei den „Rush-“ bzw. „Cluster-Immuntherapien“ bekommen Patienten vier oder mehr Allergenspritzen täglich, um die Abwehr so fix wie möglich an die Allergieauslöser zu gewöhnen. Im schnellsten Fall dauert die Grundtherapie dann nur ein bis fünf Tage. Welche Behandlung geeignet ist, muss der Arzt individuell entscheiden – je nachdem, wie stark die Allergie ausfällt oder auf wie viele verschiedene Auslöser die Patienten überempfindlich reagieren.
    Unter Umständen kann es dann besser sein, die Behandlung doch erst im Herbst zu starten.

  • Die Pille gegen Pollen: Wer speziell auf die Pollen von Gräsern überempfindlich reagiert, dem bietet sich eine bequeme Alternative zur Injektionskur: eine Impftablette (rezeptpflichtig). Das Lutsch-Präparat wird täglich und über einige Jahre eingenommen. Gerade Kindern kann man so den unangenehmen Piks mit der Nadel ersparen. Das leichte Kribbeln im Mund ist normal. Je eher die Therapie beginnt, desto besser die Wirkung schon in der ersten Saison. Dass die Grastablette hilft, gilt inzwischen als erwiesen. Studien zufolge kann sie die Symptome von Heuschnupfen deutlich senken. Die Kosten werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen – ebenso wie für die unterschiedlichen Formen der Immunisierung per Spritze.

Schnelle Hilfe aus der Apotheke

Bei akuten Problemen lindern Augentropfen oder Nasensprays die Beschwerden. Ihre Wirkstoffe (z. B. Azelastin, Levocabastin) bremsen die Entzündungssubstanz Histamin, die die Schleimhäute anschwellen lässt. Die größtenteils rezeptfreien Mittel helfen nach 15 bis 30 Minuten. Fallen die Symptome heftiger aus, lieber zu Antihistaminika in Tablettenform (z. B. Cetirizin, Loratadin) oder zu cortisonhaltigen Nasensprays greifen.

Tipp: Der Markt der sogenannten Antihistaminika ist riesig. Lassen Sie sich auch von Ihrem Allergologen beraten, welches Mittel infrage kommt. Zu empfehlen sind Tropfen oder Sprays, die Mastzellstabilisatoren enthalten (z. B. Cromoglicinsäure). Sie verhindern, dass Entzündungsstoffe freigesetzt werden. Die Mittel viermal täglich einnehmen. Start: zwei Wochen vor der Pollensaison.