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Die ketogene Diät

Ein missverstandenes Ernährungskonzept mit großem Potential. 1920 machte Dr. Mynie Peterman, Arzt an der renommierten Mayo Klinik in Cleveland, eine bahnbrechende Beobachtung. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, seinen kleinen Epilepsiepatienten zu helfen, stieß er auf Berichte, dass das Fasten die Anfallshäufigkeit reduzierte oder gar gänzliche stoppte. Nun konnte er Kinder nicht für den Rest ihres Lebens fasten lassen, schließlich mussten die Kleinen ja noch wachsen und sich entwickeln. Bei seiner weiteren Forschung stieß er zusammen mit seinem Kollegen Dr. Russel Wilder auf besondere Moleküle, die Ketone. Die beiden Ärzte fanden heraus, dass Ketone typisch sind für den Fastenzustand und dass man ebenfalls Ketone im Blut nachweisen konnte, wenn die Kohlenhydrate in der Ernährung stark reduziert wurden. Das Besondere war, dass diese Art der Ernährung, den gleichen positiven Effekt auf die Epilepsie hatte wie das Fasten. Seither ist die ketogene Ernährung eine anerkannte Therapie für Kinder mit Epilepsie und oft die letzte Hoffnung, wenn kein Medikament Erleichterung schafft. Die ketogene Ernährung ist keineswegs ein moderner Trend, sondern blickt auf eine lange und wissenschaftlich sehr gut dokumentierte Geschichte zurück.

Was versteht man unter ketogener Ernährung?

Die ketogene (»Keto«) Diät ist eine fettreiche, kohlenhydratarme Ernährungsform, die derzeit auf dem Vormarsch ist, da mehr Menschen ihre Vorteile für das Erreichen von Gesundheits- und Fitnesszielen erkennen. Der Zweck der ketogenen Diät besteht darin, den Körper in einen Fettverbrennungszustand zu bringen – es werden also primär Fette anstelle von Kohlenhydraten als Brennstoff genutzt. Dies entspricht unserer eigentlichen evolutionären Programmierung.

Die Ketose ist ein natürlicher Stoffwechselzustand

Die Ketose ist ein natürlicher Stoffwechselzustand und vollkommen ungefährlich. Ketone spielen nämlich gerade in den ersten Wochen unseres Lebens eine wichtige Rolle. Ketone haben eine große Bedeutung für das Gehirn des Neugeborenen. Wenige wissen, dass Neugeborene, die gestillt werden, natürlicherweise in Ketose sind. Die Muttermilch enthält viele MCTs. Ketone sind nicht nur essenziell für die Energieversorgung des jungen Gehirns, sondern liefert auch wichtige Bausteine.

Mythen und Missverständnisse rund um die ketogene Ernährung

Missverständnisse und Halbwissen bestimmt die Diskussion rund um die ketogene Ernährung. Meinungen werden als Fakten präsentiert und das führt zu Verunsicherung. Darum hier die häufigsten Mythen zur ketogenen Ernährung.

Bei Keto werden überhaupt keine Kohlenhydrate gegessen.
Die ketogene Ernährung ist KEINE no-carb Diät. Es werden nur die stärkehaltigen und sehr zuckerhaltigen Lebensmittel wie Getreide, Hülsenfrüchte und Süßigkeiten gemieden. Dafür dürfen jedoch weiterhin große Mengen an grünem Gemüse gegessen werden.

Bei Keto nimmt man zu wenig Ballaststoffe zu sich.
Leider glauben selbst viele Ernährungsexperten, dass Getreide die einzige Quelle für Ballaststoffe wäre. Dem ist nicht so. Gemüse, vor allem grünes Gemüse liefert jede Menge Ballaststoffe.

Das Gehirn braucht Zucker.
Rund 140 g Zucker, genauer gesagt Glukose, verbraucht unser Gehirn pro Tag. Dies verändert sich jedoch in der ketogenen Ernährung. Befindet man sich in Ketose, dann reduziert sich der Zuckerbedarf des Gehirns auf ca. 40 g pro Tag. Der restliche Energiebedarf wird über Ketone gedeckt. Doch Ketone sind nicht nur der „Notfalltreibstoff“, sondern stellen sogar die bevorzugte Energiequelle für das Gehirn da.

Ohne Kohlenhydrate werde ich müde.
Initial kann es beim Umstieg auf Keto zu Müdigkeit oder auch Kopfschmerzen kommen. Dies ist normal und kann zwischen 5 und 10 Tagen dauern. Der Grund ist, dass die Zellen erst wieder „lernen“ müssen, auch Fett und Ketone zur Energiebereitstellung zu nutzen. Wurde er doch Jahrzehnte lang mit einfachem Zucker alle paar Stunden versorgt. Da müssen erst Umstellungsprozesse angeworfen werden. Je nachdem, wie gesund die Zellen sind, geht es schneller oder dauert eben etwas länger.

Was ist die Keto-Grippe?

Insulin erhöht die Resorption von Salz über die Niere. Wer Kohlenhydrate reduziert, hat weniger Insulin im System und scheidet daher mehr Salz und andere Elektrolyte über die Niere aus. Die Folge sind Symptome wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und allgemeine Schwäche. Der Keto-Grippe kann man leicht entgegenwirken. Einfach mehr Salz verwenden und jeden Tag ein Glas Knochenbrühe trinken.