Werbebeitrag/ Autorin: Anne Klein

Großes und kleines Blutbild – was sagen die Werte aus?

Besonders häufig werden dabei das kleine und das große Blutbild bestimmt. Für Patientinnen und Patienten ist es oft schwierig, die vielen Abkürzungen und Zahlen richtig einzuordnen. Ein grundlegendes Verständnis hilft jedoch, die ärztlichen Erklärungen besser nachzuvollziehen.

Das Blut besteht aus flüssigen Bestandteilen, dem Plasma, und festen Bestandteilen, den Blutzellen. Dazu zählen die roten Blutkörperchen, die weißen Blutkörperchen und die Blutplättchen. Das kleine Blutbild untersucht vor allem Menge, Größe und Beschaffenheit dieser Zellen und ist Bestandteil vieler Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen.

Im Mittelpunkt des kleinen Blutbildes stehen die roten Blutkörperchen, auch Erythrozyten genannt. In Laborbefunden werden sie meist mit RBC oder Ery abgekürzt. Sie sind für den Transport von Sauerstoff im Körper verantwortlich. Ein wichtiger Messwert ist das Hämoglobin (Hb), der rote Blutfarbstoff. Ist der Hb-Wert zu niedrig, kann dies auf eine Blutarmut hinweisen, die sich zum Beispiel durch Müdigkeit, Blässe oder Leistungsabfall bemerkbar macht. Ursachen können Eisenmangel, Vitaminmangel oder chronische Erkrankungen sein. Ergänzend wird der Hämatokrit (Hkt oder Hct) bestimmt, der angibt, wie viel Prozent des Blutvolumens aus roten Blutkörperchen besteht. Veränderungen dieses Wertes können Hinweise auf Flüssigkeitsmangel oder Blutverlust liefern.

Zusätzlich werden sogenannte Erythrozytenindizes gemessen. Dazu gehört das mittlere korpuskuläre Volumen (MCV), das die durchschnittliche Größe der roten Blutkörperchen beschreibt. Der mittlere Hämoglobingehalt eines einzelnen Erythrozyten wird als MCH bezeichnet, die mittlere Hämoglobinkonzentration als MCHC. Abweichungen dieser Werte helfen Ärztinnen und Ärzten, verschiedene Formen der Blutarmut voneinander zu unterscheiden, etwa einen Eisenmangel von einem Vitamin-B12- oder Folsäuremangel.

Blutbestandteile

Ein weiterer Bestandteil des kleinen Blutbildes sind die Blutplättchen, medizinisch Thrombozyten. Im Laborbericht erscheinen sie meist als PLT oder Thrombo. Sie spielen eine zentrale Rolle bei der Blutgerinnung und Wundheilung. Zu niedrige Werte können mit einer erhöhten Blutungsneigung einhergehen, während stark erhöhte Werte das Risiko für Blutgerinnsel steigern können. Die Ursachen reichen von Infektionen über Medikamente bis hin zu Erkrankungen des Knochenmarks.

Auch die weißen Blutkörperchen, die Leukozyten, werden im kleinen Blutbild erfasst. Die gängige Abkürzung lautet WBC oder Leuko. Sie sind Teil des Immunsystems und wehren Krankheitserreger ab. Ein erhöhter Leukozytenwert tritt häufig bei akuten Infektionen oder Entzündungen auf, kann aber auch durch Stress oder bestimmte Medikamente bedingt sein. Niedrige Werte finden sich zum Beispiel nach schweren Infektionen, bei Vitaminmangel oder als Nebenwirkung von Arzneimitteln.

Das große Blutbild baut auf dem kleinen Blutbild auf und liefert zusätzliche Informationen über die verschiedenen Untergruppen der weißen Blutkörperchen. Dieses sogenannte Differenzialblutbild weist die prozentuale oder absolute Verteilung der einzelnen Zellarten aus. ­Neutrophile Granulozyten werden meist als NEU oder Neutro angegeben, eosinophile Granulozyten als EOS, basophile Granulozyten als BASO oder BAS, Lymphozyten als LYM und Monozyten als MONO.

Neutrophile Granulozyten steigen insbesondere bei bakteriellen Infektionen an. Lymphozyten spielen eine zentrale Rolle bei Virusinfektionen und der Bildung von Antikörpern. Erhöhte oder erniedrigte Lymphozytenwerte können ­Hinweise auf Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder Störungen des Immunsystems geben. Monozyten sind an der Beseitigung von Krankheitserregern und Zelltrümmern beteiligt und können bei chronischen Entzündungen vermehrt auftreten. Eosinophile Granulozyten sind häufig bei allergischen Reaktionen oder Parasitenbefall erhöht, während basophile Granulozyten vor allem bei allergischen Prozessen eine Rolle spielen.

Interpretation

Die Interpretation eines großen oder kleinen ­Blutbildes sollte immer im Zusammenhang mit Beschwerden, Vor­erkrankungen und weiteren Untersuchungen erfolgen. Einzelne Abweichungen von Normwerten sind nicht automatisch krankhaft. Referenzbereiche können zudem je nach Labor leicht ­variieren. Wichtig ist daher das ärztliche Gesamtbild und gegebenenfalls die Verlaufskontrolle.

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen ein großes Blutbild im Rahmen des Check-ups ab 35 Jahren regulär alle drei Jahre (bzw. einmalig zwischen 18 und 34 Jahren). Bei medizinischer Notwendigkeit (Symptome, Erkrankung) übernimmt die Kasse die Kosten jedoch jederzeit. Ohne Anlass ist es eine Selbstzahler-Leistung.