Muttermilch spenden

Werbebeitrag/ Autorin: Anne Klein

Muttermilch spenden

Muttermilch schützt vor Infektionen und unterstützt die Ent­wicklung des Immunsystems. Besonders wichtig ist sie ­jedoch für Frühgeborene und schwer kranke Säuglinge. Für diese Kinder kann gespendete Muttermilch sogar ­lebensrettend sein.

Kommt ein Baby zu früh auf die Welt, ist sein Organismus noch nicht vollständig entwickelt. Vor allem Darm, Immunsystem und Stoffwechsel reagieren empfindlich. Viele Frühchen können anfangs nicht ausreichend gestillt werden, weil die Milchbildung der Mutter nach einer belastenden Frühgeburt verzögert einsetzt oder medizinische Gründe gegen das Stillen sprechen. In solchen Fällen greifen Kliniken auf gespendete Muttermilch aus sogenannten Frauenmilchbanken zurück.

Muttermilch gilt unter Fachleuten als die beste Ernährung für Frühchen. Studien zeigen, dass sie das Risiko schwerer Infektionen senken kann. Besonders gefürchtet ist die nekrotisierende Enterokolitis, eine gefährliche Darmentzündung, die bei Frühgeborenen lebensbedrohlich verlaufen kann. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Muttermilch die Entwicklung des Gehirns und die spätere Gesundheit der Kinder positiv beeinflusst. Deshalb versuchen neonatologische Zentren möglichst vielen kleinen Patienten Muttermilch zur Verfügung zu stellen.

Starthilfe für Frühchen

Doch genau daran mangelt es häufig. In Deutschland existieren bislang nur vergleichsweise wenige Frauenmilchbanken. Viele Kliniken melden regelmäßig Engpässe. Gleichzeitig wissen zahlreiche stillende Mütter gar nicht, dass sie überschüssige Milch spenden könnten. Andere scheuen den organisatorischen Aufwand oder sind unsicher, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Dabei ist die Spende grundsätzlich unkompliziert. Voraussetzung ist, dass die Mutter gesund ist, ausreichend Milch für das eigene Kind hat und keine Medikamente einnimmt, die über die Milch weitergegeben werden könnten. Vor der ersten Spende erfolgt ein medizinischer Fragebogen, häufig ergänzt durch Blutuntersuchungen. Anschließend wird die abgepumpte Milch hygienisch gesammelt, tiefgekühlt transportiert und in der Frauenmilchbank sorgfältig kontrolliert. Dort wird sie mikrobiologisch untersucht und meist pasteurisiert, um Krankheitserreger sicher auszuschließen.

Der hohe Aufwand zeigt, welchen Stellenwert die ­gespendete Muttermilch inzwischen in der modernen Neonatologie hat. Anders als industriell hergestellte Säuglingsnahrung enthält sie zahlreiche bioaktive Bestandteile, die sich künstlich bislang nicht vollständig nachbilden lassen. Dazu gehören Antikörper, Enzyme, Wachstumsfaktoren und entzündungshemmende Stoffe. Gerade unreife Frühgeborene profitieren davon besonders.

Für viele Spenderinnen ist die Milchspende eine ­emotionale Erfahrung. Sie wissen, dass ihr Überschuss einem anderen Kind helfen kann, gesund ins Leben zu starten. Manche ­Frauen berichten sogar, dass sie sich dadurch mit anderen Familien verbunden fühlen. Dennoch bleibt die Zahl der Spenderinnen gering. Ein Grund dafür sind fehlende Strukturen. Nicht überall gibt es wohnortnahe Frauenmilchbanken, und nicht jede Klinik kann die Milch zu Hause abholen. Hinzu kommt, dass junge Familien in den ersten Monaten ohnehin stark belastet sind und zusätzliche Wege oder organisatorische Hürden oft abschreckend wirken.

Experten wünschen sich deshalb mehr öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema. Während Blutspenden seit Jahrzehnten selbstverständlich sind, wissen nur wenige Menschen von der Möglichkeit der Muttermilchspende. Dabei ist der Bedarf groß. Immer mehr Kliniken rufen inzwischen gezielt zu Spenden auf, weil die Vorräte nicht ausreichen, um alle bedürftigen Säuglinge zu versorgen.

Aufklärung

Hebammen, auch Apotheken können hier eine wichtige Rolle übernehmen. Sie sind häufig erste Ansprechpartner für junge Familien und genießen großes Vertrauen. Durch Aufklärungsgespräche, Informationsmaterial oder Hinweise auf regionale Frauenmilchbanken können Apotheken, Hebammen und Kinderärzte und Kinderärztinnen dazu beitragen, das Thema bekannter zu machen. Gerade stillende ­Frauen mit einem Milchüberschuss erfahren oft erst durch Zufall, dass ihre Milch für andere Kinder wertvoll sein könnte.

Zugleich braucht es Sensibilität. Nicht jede Mutter kann stillen, und nicht jede Frau möchte Muttermilch spenden. Schuldgefühle sind fehl am Platz. Entscheidend ist vielmehr, Familien individuell zu unterstützen und über Möglichkeiten zu informieren. Dort, wo eine Spende infrage kommt, kann sie jedoch einen enormen Unterschied machen.

Für die winzigen Patienten auf den Frühchenstationen bedeutet jeder Milliliter Muttermilch ein Stück Schutz und Entwicklungschance. Die Spenderinnen schenken damit weit mehr als Nahrung: Sie geben den kleinsten und verletzlichsten Kindern einen möglichst guten Start ins Leben.