Werbebeitrag/ Autor Peter M. Crause

Roboter im OP

Wenn man sich vorstellt, wie Chirurgen in ein paar Jahren arbeiten, taucht oft das Bild von schweigenden Maschinenarmen auf, die präzise Schnitte setzen und Nähte ziehen, während menschliche Ärzte entspannt danebenstehen. Ganz so dürfte es nicht kommen, aber die Realität ist mindestens genauso spannend. Roboter sind schon heute feste Bestandteile vieler Operationssäle und helfen bei Eingriffen, die Präzision und Übersicht erfordern. Systeme wie der da-Vinci-Roboter werden von Chirurgen gesteuert und übersetzen die Handbewegungen am Steuerpult in mikroskopisch feine Instrumentenbewegungen im Körper. Das bedeutet für viele Patienten kleinere Schnitte, weniger Blutverlust und oft eine schnellere Erholung im Vergleich zu klassischen offenen Operationen.

Was sich derzeit noch wie Science-Fiction anhört, ist aber nicht mehr nur Zukunftsmusik: Forscherteams haben Roboter entwickelt, die bestimmte chirurgische Aufgaben autonom ausführen können. In Experimenten hat ein KI-gestützter Roboter selbstständig eine Gallenblasenentfernung an Schweineorganen durchgeführt und dabei alle 17 Teilschritte korrekt abgearbeitet. Solche Meilensteine zeigen, dass Maschinen eines Tages mehr übernehmen könnten als nur assistierende Bewegungen. Aber sie kommen nicht ohne offene Fragen und Herausforderungen.

Zwischen Chancen und Grenzen

Beginnen wir mit dem Positiven. Roboter im OP können Dinge ermöglichen, die für Menschen schwierig sind: extrem stabile Bewegungen ohne Zittern, konstante Leistung über Stunden ohne Ermüdung, dreidimensionale, stark vergrößerte Sicht und potenziell eine einheitlichere Ergebnisqualität. Gerade bei langen, komplexen Eingriffen kann das dazu beitragen, Fehler zu reduzieren und kleine Strukturen besser zu schonen. Telemedizinische Konzepte, bei denen erfahrene Chirurgen Kollegen in anderen Regionen unterstützen oder sogar ferngesteuert eingreifen, könnten Versorgungslücken verkleinern, besonders dort, wo Fachpersonal knapp ist.

Robotik und künstliche Intelligenz können darüber hinaus Daten aus Bildgebung und Patientendaten in Echtzeit einbeziehen und so Entscheidungshilfen bieten, die menschliche Kapazitäten ergänzen. Theoretisch könnte eine Maschine Muster erkennen, die dem Auge entgehen, und als zweite Meinung fungieren. Schon heute lernen manche Roboter per Videoanalyse Aufgaben, indem sie Beispiele menschlicher Chirurgen nachahmen. Aber so sehr das nach Fortschritt klingt – es gibt auch handfeste Hürden. Technische Systeme können ausfallen: Hardware, Software, und Verbindungen im OP sind nicht unfehlbar. Es braucht Konzepte, um sicherzustellen, dass bei einem Ausfall sofort und sicher auf manuelle Techniken umgeschaltet werden kann. Die Frage nach der Verantwortung ist nicht einfach. Wenn ein Roboter eine Entscheidung trifft, die zu Komplikationen führt, wer trägt die rechtliche Verantwortung – das Krankenhaus, die Programmierer des Systems oder der betreuende Chirurg?

Menschliches Können

Ein weiterer Punkt ist die menschliche Komponente. Chirurgische Erfahrung umfasst nicht nur motorische Fertigkeiten, sondern auch situative Wahrnehmung, intuitive Entscheidungen und Teamkommunikation im OP-Team – Qualitäten, die autonome Systeme aktuell nicht wirklich darstellen können. Dazu kommt, dass Operateure weiterhin umfassend geschult werden müssen, damit sie Roboter sinnvoll einsetzen und im Notfall eingreifen können. Und je mehr Automatisierung im Spiel ist, desto wichtiger wird es, diese Ausbildung systematisch anzugehen, damit die Technik nicht zu einer Art Blackbox wird, deren Entscheidungen niemand mehr wirklich nachvollzieht. Nicht zuletzt sind Kosten ein Thema. Roboter und die dazugehörige Infrastruktur sind teuer, ihre Wartung, Schulung und Zertifizierung schlagen sich in den Budgets der Kliniken nieder. Ob und wie diese Investitionen sich langfristig rechnen, muss sich in breiter angelegten Studien und in der Alltagspraxis noch zeigen.

Was bedeutet das alles für die Frage: „Wird die OP damit besser?“ Die realistischste Antwort ist: Es hängt davon ab, wie man „besser“ definiert. In vielen Fällen können ­Robotersysteme präziser und konsistenter arbeiten als Menschen, zumindest bei klar definierten Teilaufgaben. Zugleich sind sie Werkzeuge, die unter der Aufsicht und mit dem Urteilsvermögen von Menschen am wirkungsvollsten sind. Vollautonome Chirurgen, die ohne jede menschliche Kontrolle operieren, gehören – wenn überhaupt – noch in die Zukunft. Bis dahin geht die Entwicklung eher in Richtung enger Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Der Chirurg bleibt der Dirigent, der Roboter ein sehr fähiger Assistent.