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Hallux valgus

Von |2026-04-07T13:05:17+02:00April 7th, 2026|

Werbebeitrag/ Autorin: Anne Klein

Hallux valgus

Beim Hallux valgus weicht die große Zehe nach außen ab, während sich der erste Mittelfußknochen nach innen verschiebt. Es entsteht der typische schmerzhafte Ballen an der ­Innenseite des Fußes, der das Gehen und das Tragen von Schuhen zunehmend erschweren kann. Lange Zeit galt vor allem falsches Schuhwerk als Ursache, doch neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeichnen ein differenzierteres Bild.

Heute gehen Fachgesellschaften davon aus, dass vor allem eine genetische Veranlagung eine zentrale Rolle spielt. Enge Schuhe oder hohe Absätze können die Beschwerden zwar verstärken, sind aber in der Regel nicht die eigentliche Ursache. Vielmehr handelt es sich um eine komplexe Fehlstellung, die häufig mit einer Instabilität im Bereich des ersten Mittelfußgelenks verbunden ist. In Deutschland sind rund 1,3 Millionen Menschen jährlich in ärztlicher Behandlung wegen Hallux valgus, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind.

Eine der wichtigsten Neuerungen der letzten Jahre ist die aktualisierte medizinische Leitlinie, die auf einer umfassenden Auswertung aktueller ­Studien basiert. Sie verfolgt einen klaren ­Ansatz: Nicht die Röntgenaufnahme oder die sichtbare Fehlstellung allein entscheidet über die Behandlung, sondern vor allem die Beschwerden der Betroffenen. Das bedeutet, dass ein Hallux valgus nicht automatisch behandelt werden muss, solange er keine Schmerzen oder Einschrän­kungen verursacht.

Zuerst konservativ behandeln

Im Mittelpunkt der Therapie stehen zunächst konservative Maßnahmen. Dazu gehören vor allem bequemes, weites Schuhwerk, das den Druck auf den Ballen reduziert, sowie Einlagen oder spezielle Schienen. Auch physiotherapeutische Übungen können helfen, die Beweglichkeit zu erhalten und die Fußmuskulatur zu stärken. Wichtig ist jedoch eine realistische Erwartung: Nach aktuellem Stand der Forschung können diese Maßnahmen die Fehlstellung selbst nicht rückgängig machen, wohl aber Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern.

Erst wenn diese nicht-operativen Ansätze nicht ausreichen und die Beschwerden deutlich zunehmen, wird eine Operation in Betracht gezogen. Auch hier haben sich die Erkenntnisse weiterentwickelt. Während früher teilweise frühzeitig operiert wurde, empfehlen aktuelle Leitlinien, chirurgische Eingriffe gezielt und erst bei klarer Einschränkung der Lebensqualität durchzuführen. Ziel der Operation ist es, die Fehlstellung zu korrigieren, das Gelenk zu entlasten und die Belastung im Fuß wieder gleichmäßig zu verteilen.

Die Studienlage zur Wirksamkeit von Operationen ist insgesamt positiv, aber differenziert zu betrachten. ­Große Auswertungen zeigen, dass viele Verfahren die Stellung des Zehs deutlich verbessern und die Zufriedenheit der Patienten im Durchschnitt steigt. Gleichzeitig weist ein Cochrane-Review darauf hin, dass die Verbesserung von Schmerzen und Funktion zwar vorhanden, aber teilweise nur moderat ist und die Aussagekraft einiger Studien begrenzt bleibt. Ein Cochrane Review ist eine hochwertige, systematische Übersichtsarbeit, die den aktuellen Wissensstand zu medizinischen Fragen zusammenfasst und bewertet. Diese Reviews analysieren die Ergebnisse aller relevanten Studien zu einer Behandlung oder Diagnose, um schlüssige Evidenz zu liefern. Sie gelten als internationaler Qualitätsstandard der evidenzbasierten Medizin.

Minimalinvasiv

Ein besonders dynamisches Forschungsfeld ist die Weiterentwicklung minimalinvasiver Operationsmethoden. Neue Techniken wie die ­sogenannte MICA-Methode arbeiten mit sehr kleinen Hautschnitten und versprechen eine schnellere Heilung, weniger Schmerzen und geringere Komplikationsraten. Erste klinische Erfahrungen sind vielversprechend, auch wenn langfristige Vergleichsdaten noch weiter erforscht werden müssen.

Parallel dazu verändert sich auch die wissenschaftliche Methodik. Die aktuelle Leitlinie basiert auf einem sogenannten „Living Systematic Review“. Dabei werden neue Studien kontinuierlich ausgewertet und in die Empfehlungen integriert. Dieses Vorgehen soll sicherstellen, dass die Behandlungsempfehlungen stets dem neuesten Stand der Forschung entsprechen und nicht erst nach vielen Jahren aktualisiert werden.

Zusammenfassend zeigt sich, dass der Umgang mit Hallux valgus heute deutlich individueller und evidenzbasierter ist als noch vor einigen Jahren. Die wichtigste Erkenntnis lautet, dass nicht jede Fehlstellung automatisch behandelt werden muss und dass konservative Maßnahmen eine zentrale Rolle spielen. Operationen bleiben eine wirksame Option, sollten aber gezielt eingesetzt werden. Für Betroffene bedeutet das vor allem eines: Eine gute Aufklärung und eine auf die persönliche Situation abgestimmte Therapie sind entscheidend für den Behandlungserfolg.

Dauerstress bei Alleinerziehenden

Von |2026-04-07T13:30:14+02:00April 7th, 2026|

Alleinerziehenden

Werbebeitrag/ Autorin: Anne Klein

Dauerstress bei Alleinerziehenden

Alleinerziehende übernehmen Verantwortung für die finanzielle Absicherung, die Erziehung und die ­emotionale Stabilität ihrer Kinder, während sie zugleich versuchen, ihre eigenen Bedürfnisse nicht völlig aus dem Blick zu verlieren. Diese dauerhafte Mehrfachbelastung führt häufig zu einem Stressniveau, das höher ist als in anderen Familienformen. Dabei geht es nicht nur um vorübergehende Belastungsspitzen, sondern um einen strukturellen Stress, der sich über Monate oder Jahre hinziehen kann und der von ­vielen Betroffenen als nahezu chronisch beschrieben wird.

Ein zentraler Faktor für den Dauerstress ist die finanzielle Unsicherheit, die viele Alleinerziehende begleitet. Statistiken zeigen seit Jahren, dass das Armutsrisiko von Einelternfamilien in Deutschland deutlich über dem anderer Familien liegt. Wenn nur eine Person für das Einkommen verantwortlich ist, führt schon ein krankes Kind, eine ungeplante Ausgabe oder eine Arbeitszeitreduzierung zu erheblichen Engpässen. Dieser finanzielle Druck verengt den Handlungsspielraum und lässt viele Alleinerziehende ständig in Alarmbereitschaft leben, weil sie wissen, dass es kaum Reserven gibt, um unerwartete Schwierigkeiten abzufedern.

Neben den wirtschaftlichen Sorgen wirkt sich auch die fehlende Zeit für Regeneration massiv aus. Während in Paarfamilien Aufgaben verteilt werden können, lastet bei Alleinerziehenden nahezu jede Entscheidung und jede Tätigkeit auf einer einzelnen Person.

Stressiger Alltag

Der Alltag besteht aus einer Abfolge von Verpflichtungen: Aufstehen, Kinder vorbereiten, Arbeiten, Haushalt, Betreuung, Organisation von Terminen und schulischen Anforderungen. Pausen müssen in noch kleinere Zeitfenster gedrängt werden als bei ohnehin vielbeschäftigten Eltern. Das Gefühl, niemals wirklich abschalten zu können, verstärkt den chronischen Stress erheblich. Viele Betroffene beschreiben ein ständiges „Funktionieren“, das zur automatischen Grundhaltung wird und bei dem Selbstfürsorge häufig in den Hintergrund tritt. Hinzu kommt die emotionale Dimension des Alleinerziehens. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass Alleinerziehende häufiger unter psychischen Belastungen leiden als Eltern in Partnerschaften. Der Grund dafür liegt nicht allein im großen Verantwortungsdruck, sondern auch im Mangel an emotionaler Unterstützung. Wer jeden Tag Entscheidungen allein treffen muss, trägt mögliche Fehler ebenfalls allein. Diese alleinige Last kann zu Grübelverhalten, Selbstzweifeln und Erschöpfungsgefühlen führen. Besonders schwierig wird es, wenn zusätzlich ungelöste Konflikte mit dem anderen Elternteil bestehen oder wenn Betreuungsregelungen unzuverlässig funktionieren. Auch gesellschaftliche Erwartungen spielen eine Rolle: Viele Alleinerziehende berichten, dass sie sich rechtfertigen müssen oder in ihrem Umfeld subtil bewertet werden, was zusätzlichen Stress erzeugt.

Körperliche Auswirkungen

Der Dauerstress wirkt sich nicht nur psychisch, sondern auch körperlich aus. Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen chronischem Stress und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, depressive Symptome und Erschöpfungssyndrome. Das permanente Gefühl, auf sich allein gestellt zu sein und ständig Höchstleistung erbringen zu müssen, führt zu einem biologischen Daueralarmzustand, der langfristig gesundheitlich schädlich ist. Gleichzeitig sind viele Alleinerziehende aufgrund der knappen finanziellen Ressourcen und der zeitlichen Überlastung weniger in der Lage, einen gesundheitsförderlichen Lebensstil umzusetzen. Bewegungsmangel, unausgewogene Ernährung oder fehlende Erholungszeiten sind daher eher die Regel als Ausnahme.

Auch die Kinder erleben indirekt die Auswirkungen des hohen Stressniveaus ihrer Eltern. Zwar zeigen viele Studien, dass Kinder aus Einelternfamilien genauso gut gedeihen können wie Kinder aus Paarfamilien, doch der Schlüssel dafür liegt in der emotionalen und sozialen Stabilität der betreuenden Person. Wenn der Elternteil dauerhaft überlastet ist, fällt es verständlicherweise schwerer, Geduld, Ruhe oder Gelassenheit in schwierigen Situationen aufzubringen. Das bedeutet nicht, dass Alleinerziehende schlechtere Eltern sind. Vielmehr zeigt sich, dass die strukturellen Bedingungen sie in eine dauerhafte Überforderung treiben können, die mit ausreichend Unterstützung vermeidbar wäre.

Gesellschaftlich wird immer wieder betont, wie wichtig Familie und Erziehung sind, doch die Realität vieler Allein­erziehender zeigt, dass Unterstützungsstrukturen nicht flächendeckend verfügbar oder verlässlich sind. Fehlende Betreuungsplätze, unflexible Arbeitszeiten oder komplizierte bürokratische Verfahren erschweren den Alltag zusätzlich. Viele Betroffene wünschen sich weniger Stigmatisierung und mehr gesellschaftliche Anerkennung. Ebenso wäre eine finanzielle und organisatorische Entlastung durch Politik und Arbeitgeber ein entscheidender Schritt, um chronischen Stress langfristig zu reduzieren.

Kaliummangel

Von |2026-03-02T12:31:51+01:00März 2nd, 2026|

Kaliummangel

Werbebeitrag/ Autor: Peter M. Crause

Kaliummangel

Kalium ist wichtig – das lässt sich kaum anders sagen. Dieser Mineralstoff ist für unseren Körper so essenziell wie Sauerstoff und Wasser. In jeder noch so kleinen Zelle spielt Kalium eine Schlüsselrolle: Es hilft dabei, elektrische Impulse weiterzuleiten, reguliert den Blutdruck, unterstützt das Zellwachstum und hält den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht. Ohne Kalium funktioniert keine Muskelkontraktion, keine ordentliche Verdauung – und das Herz gerät buchstäblich aus dem Takt. Doch trotz seiner zentralen Bedeutung bleibt ein Kaliummangel oft lange unerkannt. Denn die Symptome schleichen sich ein: Wer tagsüber regelmäßig müde ist, sich abgeschlagen fühlt, über Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit klagt, denkt zunächst selten an ein Mineralstoffdefizit. Erst wenn Kreislaufprobleme, Muskelkrämpfe oder Herzrhythmusstörungen dazukommen, wird vielen klar, dass mehr dahinterstecken könnte. Dabei ist Kaliummangel keine Seltenheit – hauptsächlich nicht in Zeiten, in denen viele Menschen unausgewogen essen, zu wenig trinken, häufig schwitzen oder regelmäßig zu Abführmitteln greifen. Besonders wenn es in wenigen Wochen wärmer wird und das Frühjahr naht, ist Sport im Freien wieder angesagt. Eine gute Wahl, aber damit einher geht immer ein Flüssigkeitsverlust. Schwitzen führt aber nicht nur zu Flüssigkeitsverlust, sondern auch zu einem starken Ausschwemmen von Mineralien – darunter Kalium. Wer dann zusätzlich salzreich isst, verschärft das Problem: Zu viel Natrium im Körper verdrängt Kalium aus dem fein austarierten Gleichgewicht. Auch Sportler, insbesondere Freizeitsportler, unterschätzen häufig den Bedarf an Mineralstoffen, wenn sie über längere Zeit trainieren, ohne auf eine ausgewogene Versorgung zu achten.

Ernährung

Bei einem Kaliummangel steht vordergründig eines im Mittelpunkt: eine frische, ausgewogene und möglichst ­naturbelassene Ernährung. Da Kalium in vielen pflanzlichen Lebensmitteln reichlich vorkommt, lässt sich ein leichter Mangel häufig gut über die tägliche Kost ausgleichen. Besonders kaliumreich sind Gemüse wie Kartoffeln, Brokkoli, Spinat, Möhren und Hülsenfrüchte wie Linsen oder Bohnen. Auch Obst trägt wesentlich zur Versorgung bei – vorwiegend Bananen, Aprikosen, Avocados und Äpfel. Trockenfrüchte wie getrocknete Aprikosen oder Rosinen enthalten konzentrierte Mengen des Mineralstoffs, sollten jedoch wegen ihres hohen Zuckergehalts in Maßen verzehrt werden. Nüsse und Samen sowie Vollkornprodukte liefern ebenfalls nennenswerte Mengen. Wichtig ist dabei nicht nur die Auswahl der Lebensmittel, sondern auch deren Zubereitung. Kalium ist wasserlöslich. Wird Gemüse in viel Wasser gekocht und dieses anschließend weggegossen, geht ein Teil des Mineralstoffs verloren. Schonender ist Dünsten oder Garen mit wenig Flüssigkeit. Wer Kartoffeln oder Hülsenfrüchte kocht, kann das Kochwasser beispielsweise als Basis für Suppen oder Soßen weiterverwenden und so die enthaltenen Mineralstoffe nutzen. Ebenso entscheidend ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Gerade bei Hitze, starkem Schwitzen oder sportlicher Aktivität verliert der Körper neben Wasser auch Elektrolyte. Hier kann eine mineralstoffreiche Ernährung helfen, den Verlust auszugleichen. In den meisten Fällen genügt eine bewusste Ernährungsumstellung, um den Kaliumspiegel zu stabilisieren. Nahrungsergänzungsmittel sollten nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden, insbesondere bei bestehenden Herz- oder Nierenerkrankungen. Eine Blutuntersuchung gibt verlässlich Auskunft darüber, ob tatsächlich ein Mangel vorliegt und wie stark dieser ausgeprägt ist.

Vorsicht ist geboten

Anders sieht es bei Menschen mit Vorerkrankungen, etwa an Herz oder Nieren, aus. Hier kann sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss schwerwiegende Folgen haben. Während gesunde Menschen überschüssiges Kalium in der Regel problemlos über die Nieren ausscheiden, kann ein Überangebot bei Nierenpatienten schnell zur Gefahr werden. Deshalb gilt: Nahrungsergänzungsmittel mit Kalium sollten nie unkontrolliert eingenommen werden. Nur eine ärztliche Blutuntersuchung gibt Aufschluss darüber, ob tatsächlich ein Mangel besteht – und wie dieser gegebenenfalls zu behandeln ist. Besonders kritisch wird es, wenn das Herz betroffen ist. Denn der Herzmuskel ist auf eine präzise elektrische Steuerung angewiesen – und Kalium ist dafür unverzichtbar. Ein zu nie­driger Kaliumspiegel kann hier nicht nur zu Rhythmusstörungen führen, sondern im Extremfall auch lebensbedrohliche Folgen haben. Zwar ist ein solch dramatischer Verlauf selten, doch bei älteren Menschen oder Patienten, die entwässernde Medikamente einnehmen, steigt das Risiko deutlich. Es zeigt sich: Kalium ist klein, aber mächtig. Ein gesunder Kaliumspiegel schützt Herz, Kreislauf, Muskulatur und Nerven. Wer sich ausgewogen ernährt, ausreichend trinkt und auf die Signale seines Körpers achtet, ist gut geschützt. Doch wer regelmäßig unter unklaren Beschwerden leidet, sollte Kalium als möglichen Auslöser nicht unterschätzen. Manchmal ist es gerade der unscheinbare Mangel, der große Auswirkungen hat.

Historische Krankheiten

Von |2026-03-02T12:28:15+01:00März 2nd, 2026|

Historische Krankheiten

Werbebeitrag/ Autor: Peter M. Crause

Historische Krankheiten

Pest und Krätze – zwei Namen, die sofort Bilder aus vergangenen Jahrhunderten hervorrufen. Massengräber, Quaran­täneflaggen, überfüllte Armenhäuser. Man würde erwarten, dass diese Krankheiten heute höchstens noch im Museum der Medizingeschichte vorkommen. Doch ganz verschwunden sind sie nicht. Beide treten weiterhin auf, und in bestimmten Regionen nehmen die Fallzahlen sogar zu. Natürlich reden wir nicht von einer Wiederholung des 14. Jahrhunderts. Die medizinischen Möglichkeiten sind heute andere. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick darauf, warum ausgerechnet diese historischen Erkrankungen wieder sichtbarer werden. Kaum eine Krankheit hat Europa so geprägt wie die Pest. Der sogenannte ­Schwarze Tod forderte im Mittelalter Millionen Opfer. Ausgelöst wird die Krankheit durch das Bakterium „Yersinia pestis“, übertragen vorrangig durch Flöhe, die auf Nagetieren leben. Heute ist die Pest behandelbar, wenn sie früh erkannt wird. Antibiotika können den Verlauf stoppen. Dennoch werden jedes Jahr mehrere hundert bis einige Tausend Fälle weltweit registriert. Besonders betroffen sind Regionen in Afrika, darunter Madagaskar und die Demokratische Republik Kongo.

Warum die Pest nicht einfach Geschichte ist

Die Weltgesundheitsorganisation weist regelmäßig darauf hin, dass die Pest nie vollständig verschwunden ist. Sie zirkuliert weiterhin in sogenannten Naturherden, also in Tierpopulationen. Wenn Menschen engen Kontakt zu infizierten Nagetieren oder deren Flöhen haben, kann es zu Ausbrüchen kommen. Mehrere Faktoren begünstigen neue Fälle. Armut und eingeschränkter Zugang zu medizinischer Versorgung spielen eine große Rolle. Wer weit entfernt von einer Klinik lebt oder Symptome nicht einordnen kann, sucht oft zu spät Hilfe. Auch Umweltveränderungen wirken sich aus. Wenn sich Lebensräume von Nagetieren durch Klimaschwankungen oder Abholzung verschieben, erhöht sich das Risiko für den Kontakt zwischen Mensch und Tier. Hinzu kommen politische Krisen und Konflikte, die Gesundheitssysteme schwächen. Impfprogramme und Überwachung geraten ins Stocken, während sich Erreger unbemerkt ausbreiten. In Industrieländern sind Fälle selten, aber nicht ausgeschlossen. Selbst in den USA treten vereinzelt Infektionen auf, meist im Zusammenhang mit Wildtieren. Die Pest ist also keine Legende, sondern eine kontrollierbare, aber reale Infektionskrankheit.

Krätze: Unterschätzt und weit verbreitet

Weniger spektakulär, aber deutlich häufiger ist die Krätze. Verursacht wird sie durch die Milbe „Sarcoptes scabiei“, die sich in die Haut eingräbt und starken Juckreiz auslöst. Die Erkrankung ist seit der Antike bekannt und galt lange als typische „Armutskrankheit“. In den vergangenen Jahren melden jedoch auch wohlhabende Länder steigende Fallzahlen. Schulen, Kitas, Pflegeheime oder Gemeinschaftsunterkünfte sind typische Orte, an denen sich die Milben verbreiten. Entscheidend ist enger, längerer Hautkontakt. Mit mangelnder Körperpflege hat das nichts zu tun, auch wenn dieses Vorurteil noch existiert. Ein Grund für die Zunahme liegt in der hohen Mobilität. Menschen ziehen um, reisen viel und leben zeitweise in Gemeinschaftseinrichtungen. Wird eine Infektion nicht früh erkannt, kann sie sich rasch weiterverbreiten. Hinzu kommen praktische Probleme bei der Behandlung. Standardtherapien mit speziellen Cremes sind wirksam, müssen aber korrekt angewendet werden. Außerdem sollten alle engen Kontaktpersonen gleichzeitig behandelt werden. Geschieht das nicht, beginnt der Kreislauf von vorn. Die Weltgesundheitsorganisation führt Krätze inzwischen als vernachlässigte Tropenkrankheit. Das zeigt, dass sie weltweit ein relevantes Gesundheitsproblem ist, besonders in Regionen mit eingeschränktem Zugang zu medizinischer Versorgung. Pest und Krätze unterscheiden sich stark in Verlauf und Gefährlichkeit. Die Pest kann unbehandelt tödlich enden, Krätze ist in der Regel therapierbar. Trotzdem gibt es Parallelen. Beide Krankheiten profitieren von sozialen und strukturellen Schwächen. Wo Armut herrscht, Gesundheitssysteme überlastet sind oder Aufklärung fehlt, steigen die Risiken. Globale Vernetzung sorgt zusätzlich dafür, dass Erreger nicht an Landesgrenzen haltmachen. Historische Krankheiten verschwinden nicht automatisch, nur weil sie aus dem Alltag vieler Menschen verschwunden sind. Sie bleiben im Hintergrund präsent. Solange die Bedingungen stimmen, tauchen sie wieder auf. Der Unterschied zu früher liegt hauptsächlich darin, dass wir heute wissen, womit wir es zu tun haben – und wie wir reagieren können.

Autofahren mit Pflegegrad 2

Von |2026-03-02T12:20:53+01:00März 2nd, 2026|

Autofahren mit Pflegegrad 2

Werbebeitrag/ Autor: Peter M. Crause

Autofahren mit Pflegegrad 2

s gibt diese Momente, in denen man sich hinter dem Steuer wieder wie 20 fühlt – Musik an, Fenster runter, die Welt zieht vorbei. Doch eines Tages kommt die Realität: etwas weniger Kraft in den Armen, ein paar Medikamente, die müde ­machen, oder einfach die Sorge, dass man vielleicht nicht mehr so schnell reagiert wie früher. Für Menschen mit Pflegegrad 2 stellt sich die Frage besonders: Darf ich noch Auto fahren? Muss ich meinen Führerschein abgeben? Pflegegrad 2 bedeutet, dass man im Alltag Unterstützung benötigt – beim Anziehen, Einkaufen oder Zubereiten von Mahlzeiten. Aber es heißt nicht automatisch: kein Auto mehr. Viele Betroffene fahren weiterhin selbstständig, oft mit kleinen Anpassungen. Entscheidend ist, ob die körperlichen, geistigen und sensorischen Voraussetzungen noch stimmen. Wer noch sicher Gas geben, bremsen und lenken kann und bei dem Konzentration und Reaktionsfähigkeit nicht leiden, darf fahren.

Körperliche Einschränkungen sind bei Pflegegrad 2 ­häufig. Eingeschränkte Beweglichkeit, Kraftverlust oder Gleichgewichtsstörungen können das Lenken, Einparken oder ­schnelle Reagieren erschweren. Oft hilft hier Technik: Ein Auto mit Automatikgetriebe, Lenkradkranzverstärker oder Pedalverlängerungen kann die Steuerung erleichtern. Auch Sitzkissen, spezielle Spiegel oder Assistenzsysteme wie Einparkhilfen reduzieren das Risiko. Es lohnt sich, solche Hilfsmittel zu prüfen und individuell anzupassen, damit man die Kontrolle behält.

Doch nicht nur der Körper spielt eine Rolle. Medikamente sind ein Thema, das oft unterschätzt wird. Schmerzmittel, Beruhigungsmittel oder bestimmte Herz- und ­Blutdruckmedikamente können die Reaktionsfähigkeit dämpfen oder Schwindel ­verursachen. Selbst scheinbar harmlose Medikamente wie Anti­histaminika können die Aufmerksamkeit beeinflussen. Wer Medikamente einnimmt, sollte immer ärztlich klären, ob das Fahren noch sicher ist, und gegebenenfalls alternative Mobilitätslösungen einplanen.

Realistisch bleiben – und trotzdem mobil sein

Neben körperlichen und medikamentösen Einschränkungen spielen auch kognitive Fähigkeiten eine Rolle. Pflegegrad 2 kann mit leichten Gedächtnisproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten oder Orientierungsschwierigkeiten einhergehen. ­Gerade in komplexen Verkehrssituationen wie Kreuzungen, Baustellen oder bei starkem Verkehr kann das zu Herausforderungen werden. Hier helfen Strategien wie kürzere, vertraute Strecken zu fahren, Tageszeiten zu wählen, in denen weniger Verkehr herrscht, oder Navigationshilfen einzusetzen. Das ­Sehvermögen ist ein weiterer Faktor. Selbst leichte Eintrübungen oder Veränderungen der Gesichtsfelder können gefährlich werden, weil Straßenschilder oder Fußgänger später erkannt werden. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind daher wichtig. Auch das Hören darf nicht unterschätzt werden: Warntöne, Blaulichter oder Hupe nehmen im Straßenverkehr eine entscheidende ­Rolle ein. Wer Hörprobleme hat, sollte prüfen, ob Hörgeräte oder andere Hilfsmittel die Sicherheit erhöhen.

Rechtlich bleibt der Führerschein grundsätzlich gültig, solange keine gravierenden Einschränkungen festgestellt werden. Wenn sich jedoch die Fahrtüchtigkeit verschlechtert, kann die Fahrerlaubnisbehörde Einschränkungen auferlegen oder im Extrem­fall die Fahrerlaubnis entziehen. Wichtig ist, dass Betroffene selbst realistisch einschätzen, ob sie noch sicher unterwegs sind, und Angehörige oder Pflegedienste offen über mögliche Risiken sprechen. Wer unsicher ist, kann auch Fahrtrainings für Senioren oder Menschen mit Einschränkungen nutzen. Diese Kurse zeigen, wie Reflexe, Sehvermögen und Reaktionszeiten im Alltag wirken und welche Anpassungen am Auto sinnvoll sein ­können.

Familie, Freunde oder Pflegedienste können ebenfalls helfen, die Situation realistisch einzuschätzen. Es ist besser, frühzeitig über Alternativen nachzudenken – etwa Mitfahrgelegenheiten, Taxi oder die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln –, statt Risiken einzugehen. Gleichzeitig bedeutet Pflegegrad 2 nicht das Ende der Selbstständigkeit: Mit den richtigen Anpassungen am Fahrzeug, etwas mehr Planung und regelmäßigen Checks kann man die Mobilität oft lange erhalten und die kleinen Freiheiten genießen, die ein eigenes Auto bietet. Bleiben Sie daher aufmerksam, lassen Sie sich regelmäßig ärztlich untersuchen, dann können Sie auch mit Pflegegrad 2 weiterhin die Freiheit des Fahrens genießen. Es geht nicht darum, alles wie früher zu machen, sondern die Mobilität verantwortungsvoll anzupassen. Wer einmal den eigenen Rhythmus hinter dem Steuer ­erlebt hat, weiß: Ein bisschen Freiheit auf vier Rädern kann durch nichts ersetzt werden – solange man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Großes und kleines Blutbild

Von |2026-03-02T12:07:55+01:00März 2nd, 2026|

Werbebeitrag/ Autorin: Anne Klein

Großes und kleines Blutbild – was sagen die Werte aus?

Besonders häufig werden dabei das kleine und das große Blutbild bestimmt. Für Patientinnen und Patienten ist es oft schwierig, die vielen Abkürzungen und Zahlen richtig einzuordnen. Ein grundlegendes Verständnis hilft jedoch, die ärztlichen Erklärungen besser nachzuvollziehen.

Das Blut besteht aus flüssigen Bestandteilen, dem Plasma, und festen Bestandteilen, den Blutzellen. Dazu zählen die roten Blutkörperchen, die weißen Blutkörperchen und die Blutplättchen. Das kleine Blutbild untersucht vor allem Menge, Größe und Beschaffenheit dieser Zellen und ist Bestandteil vieler Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen.

Im Mittelpunkt des kleinen Blutbildes stehen die roten Blutkörperchen, auch Erythrozyten genannt. In Laborbefunden werden sie meist mit RBC oder Ery abgekürzt. Sie sind für den Transport von Sauerstoff im Körper verantwortlich. Ein wichtiger Messwert ist das Hämoglobin (Hb), der rote Blutfarbstoff. Ist der Hb-Wert zu niedrig, kann dies auf eine Blutarmut hinweisen, die sich zum Beispiel durch Müdigkeit, Blässe oder Leistungsabfall bemerkbar macht. Ursachen können Eisenmangel, Vitaminmangel oder chronische Erkrankungen sein. Ergänzend wird der Hämatokrit (Hkt oder Hct) bestimmt, der angibt, wie viel Prozent des Blutvolumens aus roten Blutkörperchen besteht. Veränderungen dieses Wertes können Hinweise auf Flüssigkeitsmangel oder Blutverlust liefern.

Zusätzlich werden sogenannte Erythrozytenindizes gemessen. Dazu gehört das mittlere korpuskuläre Volumen (MCV), das die durchschnittliche Größe der roten Blutkörperchen beschreibt. Der mittlere Hämoglobingehalt eines einzelnen Erythrozyten wird als MCH bezeichnet, die mittlere Hämoglobinkonzentration als MCHC. Abweichungen dieser Werte helfen Ärztinnen und Ärzten, verschiedene Formen der Blutarmut voneinander zu unterscheiden, etwa einen Eisenmangel von einem Vitamin-B12- oder Folsäuremangel.

Blutbestandteile

Ein weiterer Bestandteil des kleinen Blutbildes sind die Blutplättchen, medizinisch Thrombozyten. Im Laborbericht erscheinen sie meist als PLT oder Thrombo. Sie spielen eine zentrale Rolle bei der Blutgerinnung und Wundheilung. Zu niedrige Werte können mit einer erhöhten Blutungsneigung einhergehen, während stark erhöhte Werte das Risiko für Blutgerinnsel steigern können. Die Ursachen reichen von Infektionen über Medikamente bis hin zu Erkrankungen des Knochenmarks.

Auch die weißen Blutkörperchen, die Leukozyten, werden im kleinen Blutbild erfasst. Die gängige Abkürzung lautet WBC oder Leuko. Sie sind Teil des Immunsystems und wehren Krankheitserreger ab. Ein erhöhter Leukozytenwert tritt häufig bei akuten Infektionen oder Entzündungen auf, kann aber auch durch Stress oder bestimmte Medikamente bedingt sein. Niedrige Werte finden sich zum Beispiel nach schweren Infektionen, bei Vitaminmangel oder als Nebenwirkung von Arzneimitteln.

Das große Blutbild baut auf dem kleinen Blutbild auf und liefert zusätzliche Informationen über die verschiedenen Untergruppen der weißen Blutkörperchen. Dieses sogenannte Differenzialblutbild weist die prozentuale oder absolute Verteilung der einzelnen Zellarten aus. ­Neutrophile Granulozyten werden meist als NEU oder Neutro angegeben, eosinophile Granulozyten als EOS, basophile Granulozyten als BASO oder BAS, Lymphozyten als LYM und Monozyten als MONO.

Neutrophile Granulozyten steigen insbesondere bei bakteriellen Infektionen an. Lymphozyten spielen eine zentrale Rolle bei Virusinfektionen und der Bildung von Antikörpern. Erhöhte oder erniedrigte Lymphozytenwerte können ­Hinweise auf Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder Störungen des Immunsystems geben. Monozyten sind an der Beseitigung von Krankheitserregern und Zelltrümmern beteiligt und können bei chronischen Entzündungen vermehrt auftreten. Eosinophile Granulozyten sind häufig bei allergischen Reaktionen oder Parasitenbefall erhöht, während basophile Granulozyten vor allem bei allergischen Prozessen eine Rolle spielen.

Interpretation

Die Interpretation eines großen oder kleinen ­Blutbildes sollte immer im Zusammenhang mit Beschwerden, Vor­erkrankungen und weiteren Untersuchungen erfolgen. Einzelne Abweichungen von Normwerten sind nicht automatisch krankhaft. Referenzbereiche können zudem je nach Labor leicht ­variieren. Wichtig ist daher das ärztliche Gesamtbild und gegebenenfalls die Verlaufskontrolle.

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen ein großes Blutbild im Rahmen des Check-ups ab 35 Jahren regulär alle drei Jahre (bzw. einmalig zwischen 18 und 34 Jahren). Bei medizinischer Notwendigkeit (Symptome, Erkrankung) übernimmt die Kasse die Kosten jedoch jederzeit. Ohne Anlass ist es eine Selbstzahler-Leistung.

Ist vegan auch gesund?

Von |2026-03-02T11:59:11+01:00März 2nd, 2026|

Ist vegan auch gesund?

Werbebeitrag/ Autorin: Anne Klein

Ist vegan auch gesund?

Bei der veganen Ernährung handelt es sich um eine Unterform der vegetarischen Ernährung. Vegetarier verzichten auf Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte. Ein Veganer verzichtet zudem auf Eier, Honig sowie Milchprodukte. Es werden somit keinerlei tierischen Lebensmittel gegessen. Vegane ­Ernährung genießt seit Jahren ein positives Image. Sie wird mit Umweltbewusstsein, ethischer Verantwortung und einem gesunden Lebensstil verbunden. Viele Menschen entscheiden sich aus Überzeugung gegen tierische Produkte und erwarten gleichzeitig gesundheitliche Vorteile. Tatsächlich zeigen ­wissenschaftliche Untersuchungen, dass eine ausgewogen gestaltete pflanzenbasierte Ernährung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Übergewicht senken kann. Dennoch ist vegan nicht automatisch gesund. Wie bei jeder Ernährungsform hängt der gesundheitliche Nutzen maßgeblich von der Qualität, Vielfalt und Zusammensetzung der verzehrten Lebensmittel ab.

Ein häufiges Problem ist die zunehmende Verfügbarkeit hochverarbeiteter veganer Produkte. Vegane Burger, Fleischalternativen, Fertiggerichte oder Süßwaren tragen zwar das Label „pflanzlich“, enthalten jedoch oft große Mengen an Salz, Zucker, gesättigten Fetten und Zusatzstoffen. Aus ernährungsphysiologischer Sicht unterscheiden sich diese Produkte teilweise kaum von stark verarbeiteten tierischen Lebensmitteln. Wer sich überwiegend von solchen Ersatzprodukten ernährt, profitiert kaum von den potenziellen Vorteilen einer pflanzlichen Kost. Studien zeigen sogar, dass eine vegane Ernährung mit hohem Anteil an Ultra-Processed Foods mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen verbunden sein kann.

Nährstoffversorgung

Neben der Lebensmittelqualität spielt die Nährstoff­versorgung eine zentrale Rolle. Bestimmte Vitamine und Mineralstoffe kommen in pflanzlichen Lebensmitteln nur in geringen Mengen oder in schlechter bioverfügbarer Form vor. Besonders kritisch ist Vitamin B12, das fast ausschließlich in tierischen Produkten enthalten ist. Ein Mangel bleibt oft lange unbemerkt, kann jedoch schwerwiegende Folgen haben. Dazu zählen Blutarmut, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmungen sowie dauerhafte Nervenschäden. Menschen, die sich vegan ernähren, sind daher zwingend auf eine regelmäßige Supplementierung angewiesen. Eine ausreichende Versorgung allein über pflanzliche Lebensmittel ist nicht möglich.

Auch Eisen stellt eine Herausforderung dar. Pflanzliches Eisen wird vom Körper deutlich schlechter aufgenommen als Eisen aus Fleisch. Gleichzeitig hemmen bestimmte ­Pflanzenstoffe wie Phytate oder Polyphenole die Eisenresorption zusätzlich. Besonders Frauen im gebärfähigen Alter sind dadurch gefährdet, einen Eisenmangel zu entwickeln. Ähnliches gilt für Zink, Jod und Calcium. Calcium wird zwar über einige pflanzliche Lebensmittel aufgenommen, doch ohne angereicherte Produkte oder mineralstoffreiches Trinkwasser kann die empfohlene Zufuhr schwer erreicht werden. Jodmangel ist in Deutschland ohnehin weit verbreitet und kann sich bei veganer Ernährung ohne jodiertes Salz oder Supplemente weiter verschärfen.

Ein weiterer oft unterschätzter Aspekt betrifft die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren. Während Alpha-Linolensäure in pflanzlichen Ölen enthalten ist, ist die körpereigene Umwandlung in die biologisch wirksamen Fettsäuren EPA und DHA begrenzt. Diese spielen jedoch eine wichtige Rolle für Herz, Gehirn und Augen.

Besondere Aufmerksamkeit erfordert die vegane Ernährung bei sensiblen Personengruppen. Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende und ältere Menschen haben einen erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen. Eine unzureichend geplante vegane Ernährung kann in diesen Lebensphasen Wachstum, Entwicklung, Knochengesundheit oder kognitive Funktionen beeinträchtigen.

Was ist mit dem Darm?

Auch die Verdauung kann durch eine vegane Ernährung beeinflusst werden. Zwar fördert eine ballaststoffreiche Kost grundsätzlich eine gesunde Darmflora, doch ein Übermaß an bestimmten fermentierbaren Kohlenhydraten kann bei empfindlichen Menschen zu Blähungen, ­Bauchschmerzen oder Durchfall führen. Zudem kann eine sehr einseitige pflanzliche Ernährung die Vielfalt der Darmbakterien reduzieren, wenn wichtige Lebensmittelgruppen fehlen.

Man muss die Sache differenziert betrachten: Vegan zu leben kann gesund sein, erfordert jedoch Wissen, Planung und Verantwortung. Vegan ist keine Garantie für Gesundheit. Entscheidend ist nicht der Verzicht auf tierische Produkte, sondern eine ausgewogene, möglichst wenig verarbeitete Ernährung, die den individuellen Bedarf deckt. Wer sich bewusst und gut informiert vegan ernährt, kann davon profitieren. Wer jedoch allein auf das Label „vegan“ vertraut, riskiert langfristig gesundheitliche Nachteile.

Magnesium – Zu viel ist ungesund

Von |2026-03-02T11:51:28+01:00März 2nd, 2026|

Magnesium

Werbebeitrag/ Autorin: Anne Klein

Zu viel ist ungesund

Von der Energieproduktion über die Funktion von Muskeln und Nerven bis hin zur Regulation des Herzrhythmus und der Knochenbildung, für all das ist Magnesium ­lebenswichtig. Im Normalfall reguliert der Körper den Magnesiumspiegel sehr effektiv: Überschüssiges Magnesium wird vor allem über die Nieren ausgeschieden, und eine Aufnahme über die Nahrung allein führt bei gesunden Menschen selten zu Problemen. Anders verhält es sich aber, wenn Magnesium in überhöhten Mengen über ­Nahrungsergänzungsmittel oder bestimmte Medikamente aufgenommen wird oder wenn die Ausscheidung gestört ist. In diesen Fällen kann es zu einer Überdosierung kommen – medizinisch spricht man von Hypermagnesämie.

Eine Überdosierung von Magnesium ist in der Praxis zwar relativ selten, vor allem wenn es über die Nahrung aufgenommen wird, aber sie kann auftreten, wenn sehr hohe Dosen an Nahrungsergänzungsmitteln oder medizinische Präparate (z. B. bestimmte Abführmittel oder säurebindende Mittel) eingenommen werden. Diese Produkte können für den Körper große Mengen an elementarem Magnesium liefern; Werte von weit über 5.000 mg Magnesium pro Tag werden in Verbindung mit toxischen Effekten beschrieben.

Überdosierung

Das klinische Bild der Hypermagnesämie hängt stark von der Höhe des Magnesiumspiegels im Blut und der individuellen Empfindlichkeit ab. Bei niedrigeren, aber schon über dem normalen Bereich liegenden Konzentrationen können zunächst unspezifische Beschwerden wie Durchfall und Magen-Darm-Reizungen auftreten. Magnesium wirkt im Darm als osmotisches Mittel: Es zieht Wasser in den Darm und kann so zu Durchfall, Bauchkrämpfen, Übelkeit und Erbrechen führen – vor allem, wenn mehrere hundert Milligramm Magnesium täglich zusätzlich eingenommen werden.

Steigt der Magnesiumspiegel weiter an, werden auch systemische Funktionen des Körpers beeinträchtigt. Muskel- und Nervenfunktionen werden gehemmt, was sich klinisch in Müdigkeit, Schwäche, verminderter Reflexantwort und Lethargie äußern kann. Auch Veränderungen im Herz-Kreislauf-System sind möglich: Zu viel Magnesium kann die elektrische Leitfähigkeit des Herzens stören und damit Herzrhythmusstörungen, einen Abfall des Blutdrucks oder in schweren Fällen sogar einen Herzstillstand begünstigen.

Noch kritischere Stadien der Hypermagnesämie sind geprägt von schwerer muskuloskelettaler Lähmung und Atemdepression. Wenn die Konzentration im Blut weiter steigt, kann dies die Atemmuskulatur beeinträchtigen und zu Atemnot bis hin zu respiratorischer Insuffizienz führen. Ohne rasche medizinische Intervention – beispielsweise intravenöse Gabe von Calcium, Diuretika oder in extremen Fällen Dialyse – kann eine solche Entwicklung lebens­bedrohlich sein.

Bestimmte Personengruppen sind besonders gefährdet, eine toxische Ansammlung von Magnesium zu entwickeln. Der wichtigste Risikofaktor ist eine eingeschränkte Nierenfunktion: Da die Nieren für die Ausscheidung des Minerals verantwortlich sind, kann eine Nierenerkrankung oder -insuffizienz zu einer verminderten Elimination und damit zu hohen Serumspiegeln führen. Auch Menschen mit Herz-, Leber- oder Schilddrüsenerkrankungen sowie ältere Personen haben ein erhöhtes Risiko. In diesen Gruppen kann bereits eine moderat hohe Zufuhr von Magnesium aus Präparaten problematisch werden.

Das sind die Grenzen

Weißes Rauschen ist kein Allheilmittel gegen Schlafprobleme. Bei Stress, Sorgen oder unregelmäßigen Schlafzeiten kann es höchstens unterstützen, aber keine Ursachen lösen. Dennoch kann es für bestimmte Gruppen hilfreich sein: Menschen mit hoher Geräuschempfindlichkeit, Eltern von Babys oder Personen, die oft in lauten Umgebungen schlafen müssen. Ein weiterer Punkt ist die Gewöhnung. Manche Menschen berichten, dass sie ohne Rauschen irgendwann gar nicht mehr einschlafen können. Das muss kein Problem sein, kann aber die Flexibilität einschränken, etwa auf Reisen. Hier lohnt es sich, das Rauschen bewusst als Hilfsmittel und nicht als Voraussetzung zu nutzen. Daher unser Fazit: Weißes Rauschen kann den Schlaf verbessern, vor allem indem es Störungen reduziert und das Einschlafen erleichtert. Studien bestätigen diese Wirkung zwar, doch sie ist nicht universell, sondern stark abhängig von persönlicher Wahrnehmung, Geräuschumgebung und Einsatzart. Wer es ausprobiert, sollte auf den eigenen Körper hören, verschiedene Klänge testen und realistische Erwartungen haben. Dann kann das leise Rauschen in der Nacht tatsächlich zu mehr Ruhe führen, ohne zum neuen Schlafzwang zu werden. Ebenso sollte besser zu einem speziellen kleinen Lautsprecher zur Klangerzeugung gegriffen werden, als auf das eigene Smartphone. Dieses nämlich unterbricht mit Nachrichten und allerlei anderen Tönen den Schlaf viel zu oft und sollte daher stets außerhalb des Schlafzimmers in der Nacht aufbewahrt werden.

Vorsicht: Wechselwirkungen

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Magnesium-Überdosierung ist die Wechselwirkung mit anderen Mineralstoffen und Medikamenten. Magnesium konkurriert im Körper mit Kalzium und Kalium um Transportmechanismen und kann deren Spiegel beeinflussen. In hohen Konzentrationen kann ein Übermaß an Magnesium daher indirekt zu ­weiteren Elektrolytstörungen führen, die den Herzrhythmus, die Muskelkontraktion und andere lebenswichtige Funktionen beeinträchtigen.

Die Frage, ab welcher Menge eine Überdosierung zu ­erwarten ist, lässt sich nicht pauschal für alle Menschen beantworten, da dies von individuellen Faktoren wie Nierenfunktion, Alter und gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente abhängt. Leitlinien für Nahrungsergänzungsmittel geben oft eine tolerierbare obere Aufnahmemenge für zusätzliches Magnesium an; für Erwachsene werden dabei Werte um 350 mg pro Tag als Richtwert für Supplemente genannt, darüber hinaus steigt das Risiko für Nebenwirkungen deutlich an.

In der Praxis bedeutet das: Eine ausgewogene Ernährung mit magnesiumreichen Lebensmitteln wie grünen Blattgemüsen, Nüssen und Vollkornprodukten liefert in der Regel ausreichend Magnesium für die meisten Menschen ohne Risiko einer Überdosierung. Supplemente sollten nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Ernährungsberater und unter Berücksichtigung der individuellen Situation verwendet werden. Besonders bei bestehenden gesundheitlichen Problemen oder der Einnahme anderer Medikamente ist eine medizinische Begleitung wichtig, um das Risiko einer toxischen Überschreitung zu minimieren.

Krampfadern und Besenreiser

Von |2026-02-02T08:53:14+01:00Januar 30th, 2026|

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Chemische Fabrik
Kreussler & Co.GmbH
Rheingaustrasse 87-93
65203 Wiesbaden

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Werbebeitrag/ Autorin: Anne Klein

Krampfadern und Besenreiser

Besenreiser sind krankhaft erweiterte Venen, die an den Beinen als rötlich bis bläuliche Linien oder Netze sichtbar werden, während Krampfadern größer sind und teils ­geschlängelt aus der Haut hervortreten. Lavara fragte Dr. Juliane Liebetrau, Chirurgin und Venenspezialistin vom von ihr und Dr. S. Guggenbichler geführten Ambulanten Bein Centrum in München, zu Krampfadern und was man dagegen tun kann.

Lavara: Leiden nur alte Menschen an Krampfadern und Besenreisern?

Dr. J. Liebetrau: Die Krampfadererkrankung ist eine der häufigsten Erkrankungen in Deutschland. Die Häufigkeit der Erkrankung steigt mit dem Alter und ein höheres Alter ist neben einer angeborenen Bindegewebsschwäche der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung von Krampfadern. Aber auch junge Frauen sind bereits betroffen. Insbesondere nach Schwangerschaften können Besenreiner und Krampfadern auch schon in jungen Jahren entstehen. Übrigens, auch wenn mehr Frauen betroffen sind, kommen Krampfadern auch bei Männern vor. Wenn man Besenreiser und Krampfadern bei sich bemerkt, ist es wichtig, die Beinvenen bei einem Venenfacharzt bzw. Phlebologen untersuchen zu lassen, um die genaue Ursache für die Probleme zu finden.

Lavara: Muss man bei Krampfadern operiert werden?

Dr. J. Liebetrau: Nein, heutzutage gibt es sehr gute minimalinvasive Methoden und in fast allen Fällen muss nicht mehr operiert werden. Diese neueren Methoden benötigen keinen Krankenhausaufenthalt und keine Narkose mehr.

Lavara: Welche Behandlungsmethoden sind schonend für Patienten/innen?

Dr. J. Liebetrau: Die schonendste Methode ist für mich die Sklerotherapie, da sie keinerlei Betäubung oder Schnitte benötigt, sehr schmerzarm ist und man direkt wieder seinen normalen Aktivitäten nachgehen kann. Ein speziell entwickeltes Arzneimittel wird vom Arzt direkt in die Besenreiser oder Krampfadern injiziert. Im Innern der Vene bewirkt das Arzneimittel einen Verschluss der Vene. Nach und nach baut der Körper die erkrankten Venen ab, die dann verschwinden. Zur Behandlung von Besenreisern ist die Sklerotherapie Goldstandard. Sie kann für jeden Krampfadertyp erfolgreich angewendet werden, auch für größere Krampfadern. Prinzipiell ist nach der Behandlung etwas Geduld angesagt, bis das Ergebnis optimal ist. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen ist nach der Therapie für einen gewissen Zeitraum empfehlenswert und kann die Ergebnisse weiter verbessern.

Lavara: Kann die Erkrankung für immer geheilt werden?

Dr. J. Liebetrau: Nein, die Erkrankung ist chronisch ist, daher können auch nach einer erfolgreichen Therapie – egal mit welcher Behandlungsmethode – nach einiger Zeit erneut Krampfadern auftreten. Die gute Nachricht ist, dass die Erkrankung z. B. mit der minimalinvasiven und schmerzarmen Sklerotherapie gut in den Griff zu bekommen ist. Die Behandlung kann bei neu auftretenden Krampfadern jederzeit wiederholt werden.

Lavara: Was kann man selbst gegen Krampfadern oder Besenreiser tun?

Dr. J. Liebetrau: Bewegung ist immer gut. Sportarten wie Schwimmen, Wandern, Radfahren und Walking helfen, den Blutfluss in den Venen zu verbessern. Vermeiden Sie Übergewicht und wenn möglich, langes Stehen und Sitzen. Bewegen Sie sich zwischendurch so viel wie möglich. Machen Sie öfters kleine Spaziergänge, auch in der Mittagspause. Und benutzen Sie lieber die Treppen als den Aufzug. Wichtig ist auch, dass Sie frühzeitig zum Arzt gehen. Denn ­während Besenreiser meist wirklich „nur“ ein ästhetisches Problem sind, können länger unbehandelte Krampfadern nicht nur zu Schwellungen, Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, sondern auch zu Hautentzündungen und Thrombosen führen.

Ob bei Ihnen ein Arztbesuch bereits angebracht ist, erfahren Sie hier: www.venen-im-check.de

Frau Dr. Liebetrau.

Vielen Dank
für das Gespräch, Frau Dr. Liebetrau.

 

Medikamentenmangel im Fokus

Von |2026-01-30T08:16:19+01:00Januar 30th, 2026|

Werbebeitrag/ Autor Peter M. Crause

Medikamentenmangel im Fokus

Lieferengpässe bei Medikamenten gehören seit Jahren zum Alltag in Apotheken. Mal fehlt ein Antibiotikum für Kinder, mal ein Blutdrucksenker oder ein Krebsmedikament. Für Patientinnen und Patienten wirkt das oft wie ein überraschender Ausnahmezustand, für Fachleute ist es längst ein strukturelles Problem. Ende 2025 ist nun ein Instrument an den Start gegangen, das genau hier ansetzen soll: das deutsche Frühwarnsystem für die Arzneimittelversorgung. Entwickelt und betrieben wird es vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, kurz BfArM. Die Idee dahinter ist so naheliegend wie überfällig: Probleme sollen erkannt werden, bevor sie sich in der Versorgung bemerkbar machen.

Seit dem Start sammelt das System kontinuierlich Daten aus unterschiedlichen Bereichen. Pharmaunternehmen melden Produktionsänderungen, geplante Marktrücknahmen oder Verzögerungen bei der Herstellung. Hinzu kommen Informationen aus dem Großhandel und aus Apotheken, etwa zur tatsächlichen Verfügbarkeit einzelner Präparate. Ergänzt wird das durch Auswertungen von Verordnungszahlen und Verbrauchsentwicklungen. Aus diesen Bausteinen entsteht ein Lagebild, das zeigen soll, wo sich Engpässe anbahnen und wie kritisch sie einzuschätzen sind.

Wichtige Veränderungen

Neu ist dabei weniger die einzelne Information als ihre Bündelung. Was früher fragmentiert vorlag oder erst spät auffiel, wird nun systematisch zusammengeführt und ausgewertet. Seit Ende 2025 ist dieses Lagebild nicht mehr nur ein internes Analyseinstrument, sondern Grundlage für konkrete Maßnahmen. Fachkreise werden frühzeitig informiert, Behörden können schneller reagieren, und Apotheken erhalten Hinweise, die ihnen Spielraum bei der Versorgung verschaffen sollen. Für die meisten Patientinnen und Patienten bleibt dieser Prozess unsichtbar – und genau darin liegt der Anspruch des Systems. Idealerweise wird ein drohender Engpass abgefedert, bevor er im Alltag ankommt.

So sinnvoll das neue Instrument ist, so klar sind auch seine Grenzen. Das Frühwarnsystem ist kein Reparaturbetrieb für eine fragile Arzneimittelversorgung, sondern ein Beobachtungs- und Steuerungswerkzeug. Es macht Risiken sichtbar, zeigt Abhängigkeiten auf und schafft eine gemeinsame Datengrundlage für alle Beteiligten. Gerade diese Transparenz gilt als großer Fortschritt, weil Entscheidungen nicht mehr nur auf Einzelmeldungen oder Erfahrungswerten beruhen, sondern auf einem breiteren Überblick.

Nur ein Faktor von vielen

Aus Sicht der pharmazeutischen Industrie wird das System grundsätzlich begrüßt, allerdings mit einer wichtigen Einschränkung. Branchenvertreter betonen, dass frühe Informationen helfen können, Lieferketten besser zu steuern und Engpässe realistischer einzuschätzen. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass ein Frühwarnsignal allein keine zusätzlichen Produktionskapazitäten schafft. Wenn Wirkstoffe nur von wenigen Herstellern weltweit produziert werden oder einzelne Fabriken den globalen Markt versorgen, lassen sich Ausfälle nicht kurzfristig kompensieren – egal, wie früh sie erkannt werden.

Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Aspekt, den Unternehmen seit Jahren ansprechen. Viele der besonders häufig von Engpässen betroffenen Arzneimittel sind preisgünstige ­Standardpräparate. Der Preisdruck ist hoch, die Margen sind gering, und Produktionsverlagerungen in Länder mit niedrigeren Kosten waren lange politisch gewollt oder zumindest akzeptiert. Aus Sicht der Industrie kann ein Frühwarnsystem diese Rahmenbedingungen nicht verändern, es kann höchstens sichtbar machen, wo sie besonders problematisch werden. Einige Hersteller fordern daher ergänzende Maßnahmen, etwa verlässlichere Preise oder gezielte Anreize für eine Produktion in Europa.

Auch in Apotheken wird das System zweideutig gesehen. Positiv ist, dass Engpässe sich häufiger ankündigen und Alternativen früher geprüft werden können. Gleichzeitig bleibt der Aufwand hoch, denn das eigentliche Management der Knappheit findet weiterhin vor Ort statt. Das Frühwarnsystem liefert Informationen, aber die praktische Umsetzung – Beratung, Umstellung, Rückfragen – bleibt Alltag der Versorgung.

Schlussendlich zeigt sich: Das deutsche Frühwarnsystem für die Medikamentenversorgung ist ein wichtiger Schritt, aber kein Befreiungsschlag. Es hilft, Probleme früher zu erkennen und besser zu koordinieren. Es ersetzt jedoch keine industriepolitischen Entscheidungen und keine langfristige Strategie für stabile Lieferketten. Als Werkzeug ist es nützlich, als Lösung reicht es nicht aus. Dennoch markiert sein Start einen Wendepunkt: Weg vom reinen Reagieren, hin zu einem besseren Überblick über ein System, das lange als unübersichtlich galt.

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